Braunkohletagebau in der 

Zülpicher Börde von 1833 - 1924



Grube Astrea in Juntersdorf 1833-1924 ( Stadt- und Kreisarchiv Düren, Bildarchiv, Mappe 50)



Einleitung

„Unter Braunkohlebergbau versteht man den Abbau von Braunkohle. Er geschieht meist im Tagebau unter der Hilfe von Braunkohlebaggern und Förderbrücken oder Förderbändern und ist mit schwerwiegenden Eingriffen in die Umwelt verbunden.

Ab dem 16. Jahrhundert wurde eine Holznot (ein bevorstehender oder bereits akut anzutreffender Mangel am Rohstoff Holz) als gesellschaftliches Problem wahrgenommen. Um 1800 waren weite Teile Europas entwaldet; viele der restlichen Wälder waren übernutzt. Vielerorts gab es jeden Winter einen akuten Mangel an Brennholz und anderen Heizstoffen. Vielerorts wurden Schächte gegraben bzw. gebohrt mit dem Ziel, neue Kohlereviere und andere Bodenschätze zu finden („Mutungsbohrungen“).


Im ausgehenden 17. Jahrhundert entdeckte man, dass die nasse, unbrauchbare Schicht, die bei der Tongewinnung für die Keramik-Industrie im Raum von Brühl (zwischen Köln und Bonn) und Frechen (zwischen Köln und Aachen) über der Tonschicht lagerte und abgeräumt werden musste, brennbar war, nachdem man sie mittels Sonne und Luft getrocknet hatte. Diese torfähnliche Substanz (Turf) ließen die jeweiligen Grundherren nun in kleinen Gruben von Kleinbauern und Tagelöhnern mit Hacke und Spaten abgraben. Er wurde in Töpfen zu Klütten (von niederdeutsch Kluit = Klumpen) verdichtet und im Sommer an der Luft getrocknet. Die Klütten hatten nur einen geringen Heizwert. Sie wurden vor Ort genutzt oder in umliegenden Siedlungen an arme Leute verkauft. Solche Gruben bestanden noch bis in die 1920er Jahre.

1698 begann man bei Mücheln/Braunsbedra nach Braunkohle zu graben. Dies gilt als die „Geburtsstunde“ des Mitteldeutschen Braunkohlereviers. Dessen Anfänge datierte der Geographieprofessor Eckhard Oelke (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) hingegen in das Jahr 1382, in welchem eine kolgrube in Lieskau bei Halle (Saale) in einer Urkunde erwähnt wird.

Im späteren Westrevier des Rheinischen Braunkohlereviers stieß man 1819 beim Brunnenbau in der Ortschaft Lucherberg bei Inden auf Braunkohle. 1826 begann der Grundherr Karl von Goldstein mit dem Abbau eines 7,5 Meter mächtigen Flözes.

1830 bis 1924 wurde die Grube Astrea betrieben (Rheinland), teils im Tage- und teils im Untertagebau“

Ab etwa 1952 begann man dann mit dem Braunkohletagebau Zülpich-Mitte und 1965 in Zülpich Süd. Die Arbeiten wurden hier 1969 eingestellt.

Seite „Braunkohlebergbau“. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 4. August 2021, 15:09 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Braunkohlebergbau&oldid=214492990 (Abgerufen: 25. September 2021, 13:12 UTC)


Braunkohlefunde in der Zülpicher Börde um 1820.

Untertagebau  "Astraea“ und „Proserpina-Elisabeth“


Astraea 


"Die Abelsgrube war ein untertägiges Braunkohle-Bergwerk östlich des heute zu Zülpich gehörigen Weilers Virnich im Kreis Euskirchen am südwestlichen Rand des Rheinischen Reviers. Hier, im nördlichen Vorland der Eifel wurde im 19. Jahrhundert Kohle gefördert. Da die Braunkohleflöze der Niederrheinischen Bucht in der Region Zülpich/Euskirchen nirgendwo an die Erdoberfläche ausstreichen, waren die Vorkommen dort bis ins 19. Jahrhundert unbekannt (anders als in der Ville, wo die Kohle bereits im 17. Jahrhundert abgebaut wurde).Im Jahre 1820 ließ der Unternehmer Johann Albert Abels (1788–1869), der in Commern ein Bleierzbergwerk betrieb und dort von 1815 bis 1837 auch Bürgermeister war auf der Suche nach abbauwürdige Bodenschätzen im Umland Mutungsbohrungen niederbringen. Unter anderem bohrte man auf der Virnicher Höhe, nahe der Straße von Kommern nach Euskirchen, vermutlich nach Eisenstein. Statt auf Eisen stieß man dann aber überraschend auf Braunkohle. Das Flöz hatte eine Mächtigkeit von etwa 4 m und lag unter etwas mehr als 30 m Deckgebirge aus Kies, Sand und Ton.

Nach seinem Fund beantragte Abels beim Bergamt eine Konzession für den Abbau, und 1822 wurde ihm bereitwillig ein entsprechendes Feld östlich von Virnich verliehen.


Funde in Juntersdorf.

Wegen des unbefriedigenden Ertrages der Virnicher Grube ließ Abels auf der Suche nach ergiebigeren Vorkommen in der Umgebung weitere Bohrungen abteufen. Da er dabei mehrfach fündig wurde, erhielt er 1832 zusätzlich das Feld Astraea bei Juntersdorf verliehen.


Abels Funde riefen aber auch weitere Interessenten auf den Plan, die im Umfeld ebenfalls Konzessionen in Konkurrenz zu Abel beantragten. So erhielt der Unternehmer Hermann Josef Hall aus Zülpich, Teilhaber der Günnersdorfschen Bleiwerke in Kommern, 1832 das Feld Proserpina bei Füssenich/Ginnick. Im selben Jahr erhielt Graf Eduard Berghe von Trips zu Hemmersbach, Eigentümer der Juntersdorfer Burg, das Feld Elisabeth. Diese Felder wurden 1860 zu Proserpina-Elisabeth konsolidiert.


1852 mutete eine Gruppe um den Unternehmer Clemens. A. Schmitz das Feld Clemafin südlich von Euskirchen. Bei Stockheim erhielt F. Doinet das Feld Eustachia. Zeitweise wollten auch die Gemeinden Euenheim und Euskirchen eigene Bergwerke gründen, nahmen letztlich aber davon Abstand.

Auf der Suche nach besserer Kohle wurde Abels schließlich auf der der „Virnicher Höhe“ gegenüberliegenden Seite des Rothbachtales, unter der damaligen Gemeindeviehweide von Juntersdorf, fündig. Die Lagerstättenverhältnisse waren hiergünstiger als bei Virnich: Das Flöz war fast doppelt so mächtig (6,3 – 8 m) und das Deckgebirge anfänglich weniger als halb so dick (etwa 12 m).

Abels erhielt Ende 1832 die Konzession für das Feld südwestlich von Juntersdorf, das er Astraea/Astrea nannte, benannt nach der griechischen Göttin der Gerechtigkeit. 1833 schloss er hier ergänzend zur Grube bei Virnich eine zweite Grube auf.


Anders als in der Virnicher Grube wurden bei Juntersdorf aber keine Schächte abgeteuft, sondern es wurden Stollen gegraben. Teilweise, dort wo die Kohle besonders oberflächennah lag, konnte sogar im Tagebau gearbeitet werden. Die Grube wurde mindestens bis 1867 im Bruch- und Pfeilerbau betrieben. Nach der Stilllegung – vermutlich um 1870 aufgrund mangelnder Wirtschaftlichkeit durch wachsenden Preisdruck - ruhte der Bergbaubetrieb in Juntersdorf - bis 1905".

Seite „Abelsgrube“. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 18. Juni 2021,07:58 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Abelsgrube&oldid=213062918 (Abgerufen: 18. September 2021, 14:20 UTC)



 Die Grube „Proserpina-Elisabeth“

zwischen Füssenich und Ginnick gelegen.

 

"Der „Torfberg“ in Besitz von Fritz Hall. Es wurde dort unter Tage gebohrt. Die Braunkohle lag ca. 10 m tief in der Erde, der Kohlenflöz war mehr als 3 m hoch. Bis zum Schacht waren durch den Stellen schmale Gleise gelegt. So wurden die Loren mit Handgetriebe hoch gekurbelt und die Böschung herunter gekippt. So rollte die Braunkohle über den Gries, um zur Beheizung der Dampfmaschine verwendet zu werden. Es war eine Einhub-Dampfmaschine, die ein großes Schwungrad besaß.


Nur bei Tage wurde gepumpt, nachts wurden die „Knappen“ frei verkauft, der Gries wurde durchnässt und durch ein Pferd geknetet, dann wurde er in kleine Eimer zum Trocknen umgestülpt. Waren dann die „Klütten“ so weit trocken, wurden diese in großen Halden aufgeschichtet, die dann im Winter abgefahren wurden, u.z. bei sehr großem Betrieb, dass eine Fuhre kaum der anderen ausweichen konnte.


In dem Hause von Mathias Drove in Geich wohnten damals die Gebrüder Brendgen, Carl und Johann Bendgen. Sie zogen nach Türnich und gründeten dort ebenfalls ein Torfbergwerk, aber „über Tage“. Mit dem Abdeckboden brannten sie Drainrohre und Ziegelsteine. Sie errichteten eine „Press¬Klüttenfabrik“, deren Briketts das Zeichen „Türnich“ trugen.


Nun kamen viele Brikettswerke in Betrieb. Die Grubenbesitzer vereinigten sich und schlugen mit dem Preis auf. Von der Zeit an trugen die Briketts das Zeichen „Union“.


Nun war natürlich in Füssenich mit den ungepressten Klütten Schluss. Fritz Hall stellte den Betrieb still. Doch die Familie Rick (Göthe Mechel genannt) übernahm von Hall den Betrieb. Sie ließen am Schacht eine Dampfmaschine mit Kessel anlegen, um die Loren mittels Dampfkraft hochzuheben. Sie wollten sogar einen zweiten Schacht bauen, der Schachtturm stand schon fertig. Da kam ein schwerer Sturm und zertrümmerte die Betriebsgebäude. So war die ganze Sache mit dem „Torfberg“ gescheitert. Gottfried Hansen war dort die längste Zeit Maschinenheizer.

Die beiden Wohnhäuser mit dem Maschinenraum wurden abgebrochen. Zum Schluss stand noch der Kamin in Viereckform erbaut; seine Steine dienten zum Aufbau landwirtschaftlicher Gebäude.

Quelle: Niedergeschrieben am 3. Januar 1963, von Josef Cramer, Füssenich 1963.

 

Namensgeber der Gruben

„Astraea“ und „Proserpina.“

"Astraea oder Astraia (altgriechisch Ἀστραία Astraía) ist eine Gestalt   der griechischen und rö-mischen Mythologie.




Proserpina ist eine römische Gottheit. Sie ist die Tochter des Jupiter und der Ceres und Gattin des Pluto, der sie in die Unterwelt entführte und zu seiner Gemahlin machte. Sie ist die Herrscherin über die Toten und Königin der Unterwelt. Sie entspricht der Persephone in der griechischen Mythologie"

Seite „Proserpina“. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 22. Juli 2021, 17:58 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Proserpina&oldid=214113307 (Abgerufen: 26. September 2021, 14:14 UTC)

Foto oben: Lizenz GearedBull in der Wikipedia auf Englisch CC BY 2.5



Auszug aus der Urkunde der

"königlichen Ober-Berghauptmannschaft im Ministerio des Innern“ vom 22. Dezember 1832.


"Königliches Oberbergamt für die Niederrheinischen Provinzen.

Die Ober-Berghauptmannschaft im Ministerio des Innern beschließt auf den Antrag des königlichen Ober-Bergamtes für die Niederrheinischen Provinzen, wie folgt.


Art.1.

Dem Guts- und Bergwerks - Besitzer Albert Abels, Bürgermeister von Kommern und daselbst wohnhaft, wird die von ihm entdeckte Braunkohlen - Ablagerung in den Gemeinden Wollersheim, Embken und Juntersdorf, Kreis Düren, Regierungsbezirk Aachen, und Zülpich, Nemmenich, Floren und Merzenich, Kreis Euskirchen, Regierungsbezirk Köln, zur Anlage eines Braunkohlen-Bergbaus, welches er Astraea genannt, in einer Flächenausdehnung von 3,293,215 Quardatachtern oder Eintausend Vierhundert ein und vierzig Hectaren vier und sechzig Aren in Concession gegeben, nachdem derselbe bereits schriftlich erklärt hat, sich den nachfolgenden Bedingungen unterwerfen zu wollen.


p.p.

Berlin, den 22. Dezember 1832


L.S.                                   Königl.Oberberghauptmannschaft im Ministerio des Innern.

Gerhard"




In der Urkunde wurde die genehmigte Abbaufläche genau bestimmt. Von Norden der Ortschaft Embken eine große Linie bis zum Neffelbach an der unteren Mühle in Embken, von da den Neffelbach abwärts bis zur Mühle des Grafen von Trips bei Juntersdorf; sodann bis Hoven, Klostergarten, und bis Nemmenich. Gegen Osten bis Floren, gegen Süden bis Merzenich und bis nach Wollersheim. Gegen Westen schließlich zurück bis zum Ausgangspunkt in Embken.



1905 zweite Betriebsphase 

der Grube „Astraea“


"Ende des 19. Jahrhunderts, nachdem sich die Preisverhältnisse aufgrund des Streiks im Ruhrkohlebergbau zugunsten der Braunkohle verschoben hatten, wurde das Feld Astraea von der Gewerkschaft "Hamburg in Gotha" aufgekauft. 

Nach dem man um 1900 bei Mutungsbohrungen erneut fündig geworden war, wurde die „Braunkohlegesellschaft Juntersdorf“ gegründet, die den Grubenbetrieb um 1905 wieder aufnahm. Es wurde auch eine Brikettfabrik errichtet und zur Verbesserung des Absatzes wurde gar von der Dürener Kreisbahn 1911 eigens eine Bahnstrecke von Zülpich nach Embken mit Stichanschluss an die Grube Astraea gebaut.

Das Werk schloss nach einem am 22. Mai 1908 in Düsseldorf gegebenen Bericht mit einem beträchtlichen Betriebsverlust ab, der auf das Fehlen eines Bahnanschlusses, wodurch der Absatz stockte, zurückgeführt wurde.


 Am 3. Juni 1911 wurde die Linie Distelrath -Embken eröffnet".

Auf einer Karte von 1913 ist die Grube mit dem Bahnanschluss deutlich zu erkennen.



Für die gesamte Strecke Distelrath - Nörvenich – Zülpich- Geich - Füssenich-Juntersdorf bis nach Embken waren 19 Brückenbauten notwendig gewesen

Reste heute noch erkennbar: Brücke in Lüxheim auf der Strecke Distelrath-Embken.


"Die Gewerkschaft Hamburg verpflichtete sich dem Kreis Düren gegenüber, nach Fertigstellung der Linie Zülpich - Embken ihre auf 100000 Tonnen veranschlagte Gesamtproduktion (Briketts und Braunkohle) auf der Dürener Kreisbahn zu verfrachten bzw. die Waggons auf der Dürener Kreisbahn zur Staatsbahn zu befördern.


Die Baukosten für die 9,86 km lange Strecke wurden auf 835500 Mark, der Aufwand an Grunderwerb auf 120000 Mark veranschlagt.


Da der Ertrag der Grube und somit die Produktion der Brikettfabrik weit hinter dem mit der Dürener Kreisbahn vereinbarten Ziel von 100.000 Tonnen pro Jahr zurückblieb, wurde der Bahntransport bereits 1920 wieder eingestellt (Dürener Kreisbahn 50 Jahre, Seite 28.)


Im Jahre 1924 wurde die Grube endgültig geschlossen. Der Bahnanschluss wurde zurück gebaut, die Tagesanlagen der Grube und die Brikettfabrik abgerissen.



Als Erinnerung an die Bergbauvergangenheit trägt heute in Juntersdorf eine Hauptstraße den Namen „Astreastraße und auf der Ecke Hovener Straße / Düttling“ steht ein historischer Muldenwagen aus der Grube mit der Aufschrift „Grube Astrea 1833–1924“.

Foto: Sammlung Jusiz-Club Düren


Die Bergbaugesellschaft existierte noch bis 2018. Andere Namen waren: Braunkohlen-Bergwerk und Brikettfabrik Juntersdorf/Astraea/Astrea/“Hamburg“


Infos:

20 Bergmänner holten bis zu 40 Meter tief den begehrten Brennstoff aus der Erde des Astraea-Feldes. In der Nähe zwischen Ginnick und Füssenich arbeiteten 30 Mann in der Grube Proserpina, ihr nach der römischen Göttin der Unterwelt benanntes Gegenstück. Besitzer waren die Zülpicher Honorationen Josef Abels und HermanJosef Hall. Letzterer galt als besonders fortschrittlich. Er führte den Pfeilerbruchbau ein, der dem damals primitiven Untertagebau etwas von seiner Lebensgefährlichkeit nahm und stellte zu Wasserhaltung die erste Dampfmaschine im Revier auf („Dürener Land“ Baltasar Schmitz, S. 120, 1971).


Die Rolle der Dürener Kreisbahn.

Das Unternehmen wurde 1908 gegründet. Am 6. Oktober dieses Jahres nahm die Kreisbahn auf ihren ersten Straßenbahn- und Eisenbahnlinien den Betrieb auf. Die Eisenbahnstrecke nach Zülpich wurde im Jahre 1911 bis nach Embken verlängert, wobei ein Anschlussgleis zur Braunkohlenbrikettfabrik Astraea gelegt wurde.


Am Ortsrand von Juntersdorf wurden eigens für die Arbeiter der Grube Wohnungen gebaut, die heute noch genutzt werden.

Seite „Grube Astraea“. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 19. Juli 2020,

18:03 UTC.URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Grube_Astraea&oldid=202025772 (Abgerufen: 18. September 2021, 14:51 UTC) Fotos: Sammlung Justiz-Club Düren. Lok: Dürener Kreisbahn


Erinnerungen aus erster Hand.

„Es muss um das Jahr 1905 gewesen sein, als Experten des Kohlebergbaus in Juntersdorf eintrafen, um Bohrgeräte in dieser Gegend aufzustellen. Man wollte nach Kohlen muten. Es dauerte nicht lange, da hatte Vater den Auftrag, Bohrgeräte und Wasser zu den angegebenen Plätzen zu transportieren. Pferde, Karren und Wasserfässer waren ja vorhanden. Im Gelände zwischen Juntersdorf, Embken und Wollersheim wurden Probebohrungen durchgeführt und dadurch viele Arbeitskräfte aus diesen Ortschaften beschäftigt

Zunächst war man diesem Unternehmen gegenüber etwas skeptisch, bis plötzlich von Bohrturm zu Bohrturm der Jubelruf erscholl: „ Fündig, fündig, fündig!“ Die Bevölkerung sah auf einmal einen Lichtstreifen am sonst so düsteren Horizont. Die Grube Astrea entstand.

Man trieb tiefe und lange Stollen unter das brachliegende Heideland und baute Fabrikgebäude und Hallen. Zwei große Schornsteine ragten eines Tages gen Himmel; Förderbänder beluden Loren mit Braunkohle, die dann, in der Fabrikation zu Briketts gepresst, in bereitstehende Waggons verladen wurde.

Für die Beförderung der Waggons aber auch der Arbeiter und deren Familien legte man eine Bahnstrecke zwischen Embken und dem Bahnhof Zülpich an. Zu all den Anlagen, die in verhältnismäßig kurzer Zeit entstanden, hatte unser Vater einen wesentlichen Beitrag geleistet.

Nicht von ungefähr gingen nun die hohen Herren der Großindustrie in unserem Hause aus und ein: Pampus, Rechenberg, Lippig, Weimann - Namen, die heute noch in meiner Erinnerung lebendig sind. Sie waren die Wegbereiter der späteren „Westdeutschen Bohrgesellschaft Arnold Siep“.

Entnommen dem Buch „ Et hät noch immer jot jejange- Lebenserinnerungen der Margarethe Muhr geb. Siep (1901 – 1990), Seiten 48-50 Herstellung und Verlag „Books on Demand GmbH, Norderstedt“.ISBN 3-8334-0486-8, 1990, Herausgeber: Dr. Josef Muhr.






 


Braunkohletagebau Zülpich-Mitte

Füssenich-Geich

1953 - 1969

Skizze: Mit freundlicher Genehmigung der Victor-Rolff-Stiftung, Buch Victor-Rolff, Sein Leben, 1934-2012 .


Der Gründer

1937 Umwandlung in eine Kommandit-Gesellschaft.


Adolf Eduard Viktor Rolff (* 05. 02 1878 in Cottbus; † 28. 12. 1950 in Köln)  war ein deutscher Unternehmer im rheinischen Braunkohlebergbau, außerdem war er Mäzen und Förderer der archäologischen Forschung in Köln.

Viktor Rolff wurde 1878 als Sohn eines Textilfabrikanten in Cottbus geboren. 1903 heiratete er die ebenfalls aus Cottbus stammende Elisabeth Krüger (* 17. September 1883; † 19. Dezember 1965). Mit ihr hatte er fünf Kinder, von denen zwei bereits in jungen Jahren starben. Ein Sohn fiel als junger Mann im Ersten Weltkrieg, und der älteste Sohn fiel als Offizier im Zweiten Weltkrieg.



Tagebau im der Zülpicher Börde.

Für den Ausbau seiner Aktivitäten im Zülpicher Land kaufte Rolff mehrere Grubenfelder rund um Zülpich. Wegen des Zweiten Weltkrieges verzögerte sich aber der Aufschluss. Den Beginn des Betriebes im Tagebau Zülpich und in der dazugehörigen Brikettfabrik in Geich im Jahre 1953 (Foto oben) erlebte der drei Jahre zuvor verstorbene Firmengründer nicht mehr mit. 


1959 - Firma in jüngere Hände

Mit 25 Jahren Leiter

eines großen Unternehmens.


Nach Viktor Rolffs Tod 1950 wurde das Unternehmen zunächst von seiner Frau und seinem Sohn Joachim fortgeführt. Enkel Victor Rolff übernahm damals die Gesamtprokura.

Im Jahre 1959 ging die Unternehmensleitung dann an  F. Victor Rolff und an Eduard Joachim, der aber später die Geschäftsführer der "Cölner Hofbräu Früh" in Köln übernahm).




Foto: Mit freundlicher Genehmigung der Victor-Rolff-Stiftung,


Seite „Viktor Rolff“. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 11. September 2021, 12:34 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Viktor_Rolff&oldid=215499073 (Abgerufen: 26. September 2021, 15:37 UTC) Foto: Mit freundlicher Genehmigung der Victor-Rolff-Stiftung, Vettweiß-Gladbach.



Sportwagen, eine  Leidenschaft...

In Nähe der Grube Zülpich-Mitte in Füssenich-Geich, unterhielt Rolff u.a. eine Werkstatt, in die er auch seinen Mercedes-Benz 300 SL zur Reparatur vorbei brachte. Das Werksgelände befand sich zu dieser Zeit bereits am Grubenrand Geich (heute Hecker & Krosch).


Oben: Franz-Josef Eversheim aus Füssenich mit einem Kollegen an der Motorbremse in der Werkstatt der Victor Rolff KG in Zülpich- Geich.

Seite „Friedrich Victor Rolff“. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 5. Mai 2020, 11:53 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Friedrich_Victor_Rolff&oldid=199640620 (Abgerufen: 23. September 2021, 09:14 UTC) Fotos: Sammlung Franz-Josef Eversheim, Füssenich, Motor und Motorbremse.





1953

Beginn des Tagebaus in Zülpich-Mitte.


Der Braunkohlenuntersuchungsausschuss Zülpich-Vettweiß, der damals in Zülpich tagte, hatte letztendlich die Vorlage an den Kölner Regierungspräsidenten Dr. Warsch zur endgültigen Genehmigung beschlossen.

Die Pläne umfassten ein Abbaugebiet von 900 Hektar zwischen den Ortschaften Zülpich sowie bei Füssenich/Geich im damaligen Kreis Düren. Die künftigen Braunkohlenfelder lagen teilweise in Tiefen bis zu 60 Meter und in einer Mächtigkeit von bis zu 12 Meter.

Die Ortschaft Juntersdorf lief sogar Gefahr, die Verlegung des Ortes hinzunehmen. Allerdings war diese Umsiedelung erst in einigen Jahrzehnten geplant", wurde aber nie realisiert.

Quelle: Dürener Nachrichten vom 16.7.1953, Seite 5.


 



Grube Victor (1953 bis 1969)

Zu Beginn der 1950er Jahre wurden im Rahmen von Bodenuntersuchungen bei Zülpich noch größere Braunkohlevorräte entdeckt, als dies schon vorher zu Zeiten des ehemaligen Braunkohlebergwerks bei Juntersdorf bekannt war. 

Das Volumen der abbaubaren Kohle alleine in den ersten Bodenschichten ohne die damals technisch noch nicht zugänglichen sehr tiefen Lagen wurde im Vorfeld auf ca. 60 Mio. Tonnen geschätzt. Die vorbereitenden Entwässerungsarbeiten wurden im Jahr 1952 durchgeführt. Im Jahr 1953 erfolgte dann der erste Abbau der Kohle. Bereits nach relativ kurzer und damit einer für den Bergbau eher untypischen Betriebszeit wurde der Grubenbetrieb aus wirtschaftlichen Gründen schon wieder im Jahr 1969 eingestellt.

Die abgebaute Kohle diente einerseits der Herstellung von Briketts in der direkt benachbarten Brikettfabrik bei Geich, die damals auch in privaten Haushalten noch verbreitet zum Heizen diente. Andererseits wurde hiermit das später gebaute werkseigene Braunkohlekraftwerk in Geich direkt mit Energie versorgt.

Mit der Braunkohle waren in Zülpich insgesamt fast 500 Menschen direkt oder indirekt beruflich verbunden. Die Arbeitsplätze erstreckten sich dabei nicht nur auf die Förderung und Weiterverarbeitung der Kohle. Vielmehr waren auch zahlreiche Zulieferer und andere Subunternehmer aus Zülpich sehr eng mit dem Tagebaugeschehen verbunden


Seite „Tagebau Zülpich“. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 28. August 2023, 20:17 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Tagebau_Z%C3%BClpich&oldid=236837097 (Abgerufen: 8. Juni 2024, 17:33 UTC)



Anstich in der Grube Füssenich-Geich 1953. Artikel aus 1959.

 

Am 28. September 1953 versammelten sich an der neuen Grube in Füssenich-Geich Frau Elisabeth Rolff, ihr Sohn Joachim Rolff und die Enkelkinder der Witwe, um den ersten Spatenstich im Braunkohlegebiet „Zülpich-Mitte“ zu machen. Nach der Zeremonie, der auch Vertreter der Betriebsleitung und Mitarbeiter der regionalen Presse beiwohnten, wurde der erste Kippwagen voll Braunkohle mit dem Seil die Rampe hinaufgezogen und in die Auffangkammer gekippt, Joachim Rolff und seiner Mutter machten gegenüber der Presse deutlich, dass beide das Werk des verstorbenen Gründers in seinem Sinne weiterführen möchten. Nach Abschluss der notwendigen Entwässerungsarbeiten wurde dann im Jahre 1953 mit dem Grubenaufschluss begonnen. 

Die Braunkohle wurde noch mit Lastwagen zur Brikettherstellung ins Werk „Fürstenberg“ transportiert. Später wurden diese Arbeiten mit werkseigenen Lösungen bewältigt. 

Über 500 Menschen waren hier in Arbeit. Das Gehalt der Arbeiter lag in den 1950er und 1960er Jahren bei ca. 600 DM monatlich. Dazu kamen noch Schicht- und Sonntagszuschläge.

Elisabeth Rolff und Sohn Joachim Rolff beim feierlichen Anstich im Tagebau Füssenich-Geich, 28.9.1953 (Foto: Mit freundlicher Genehmigung der Victor-Rolff-Stiftung,  aus dem Buch " Victor-Rolff , sein Leben, seine Stif-tung").





"Grube Victor" 1953-1969 Luftaufnahmen.


DieLuftaufnahme zeigt die "Grube Victor" von Süden aus fotografiert. Am obigen Bildrand sieht man das Dorf Geich. Unten rechts kann man das Weiertor erkennen. Rechts nahe der Grube verläuft die Straße von Zülpich nach Geich.


Fotos:Archiv Stadt Zülpich Bildarchiv, Luftaufnahme, Tagebau Zülpich, Bilder t4 und t1.




1955: Mehrfamilienhaus für die Belegschaft


Die Belegschaft bestand überwiegend aus Menschen aus der Region des Zülpicher und Dürener Landes. 1955 wurde in der Zülpicher „Geicher Gasse“ am Bachtor ein Mehrfamilienhaus und ein Doppelhaus für die höheren Angestellten errichtet. Viele Zulieferer und andere Subunternehmer waren mit dem Tagebau verbunden.

Das Foto zeigt eines der Gebäude, das 1955 als "Steigerhaus" bekannt war.

Foto vom 8.6.2024 mit freundlicher Genehmigung des Herrn Josef Rhiem aus Zülpich,Geicher Gasse.


Übrigens soll es zwischen der Firma Sieger in Bessenich und der Victor Rolff KG eine Übereinkunft gegeben haben, dass niemand direkt aus der Firma Sieger zu der Firma V.Rolff wechseln durfte.

Umgehen konnte man diese Regelung offenbar nur damit, dass man von der Firma Sieger zuerst in ein anderes Arbeitsfeld wechselte und von dort aus zum erstrebten Braunkohlenabbau in Zülpich stieß. Ob und wie oft dies in dieser Weise auch praktiziert wurde, ist dem Autor nicht bekannt.


Unfälle blieben leider nicht aus...

Leider gab es während der Jahre 1953 bis 1969 auch bedauernswerte Unfälle. So kam in der Fabrik ein junger Mann durch den Absturz aus höchster Höhe zu Tode. Am Förderband kam es 1967 zu einem weiteren tödlichen Unfall, der allseits Entsetzen auslöste. 

Auch bei Reparaturarbeiten am „Bagger 108“ wurde ein junger Mann, der an der Schaufel des Baggers arbeitete, getötet.

Zu einem schrecklichen Unfall kam es beim Verladen der Kohle. Bei dem Versuch, die Kohle zu verladen, schlug die Schließung des Waggons herunter und trennte den Arm eines Arbeiters ab.

 Dazu kamen weitere Unfälle im Umgang mit den Maschinen und Gerät.




Opfer des Tagebaus in Zülpich:

Zwei Mühlen, ein Bahnhof und ein Friedhof

und viele archäologische Funde.

Bei dem Abbau in den beiden Gruben wurden viele bedeutende Funde zutage gefördert. So wurden Münzen, Glasgefäße aus der Römerzeit oder Funde aus dem Mittelalter wie z.B. einige alte Gebäudeteile  und vermutlich auch eine kleine Kapelle gefunden. Über den Verbleib vieler Fundstücke wurden offenbar keine Listen geführt, so dass der Verbleib heute leider nicht mehr zu eruieren ist.


Der jüdische Friedhof "An der Karlsruhe".


Der jüdische Friedhof lag im Westen der Stadt in der Nähe des Weiertors. Ende der 1950er Jahre wurden die letzten 225 Gräber auf den Friedhof in Köln-Ehrenfeld umgebettet, weil die gesamte Fläche dem Braunkohlenabbau Zülpich bis vor die Tore Zülpichs weichen musste".


Quelle: Verwaltung der Jüdischen Friedhöfe der Synagogen-Gemeinden, Köln. https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-13011-20110706-5, zuletzt aufgerufen am 19.9.2017.


Jüdischer Friedhof " An der Karlsruhe" vor dem Weiertor - Aquarell von Kaspar Pütz (ausgestellt in den Räumen des Zülpicher Geschichtsvereins, Burg Zülpich. Foto: Justizclub  mit freundlicher Genehmigung des ZGV.


 

Biesenmühle und Ölmühle mussten dem Tagebau Zülpich weichen.

                                                                                         

Ölmühle Füssenich


Der Braunkohle weichen mussten leider die heute in historischer Hinsicht vermissten “Biesen- und Ölmühle“ (Foto) und der Bahnhof "Geich - Füssenich" am Neffelbach. 


Sie wurden abgerissen und sind heute nur noch in der Erinnerung vieler Füssenicher und Geicher präsent.         



Auch der Neffelbach musste aus den gleichen Gründen außerhalb der geplanten Grube verlegt werden. Er wird am Ende aller Aktivitäten im Jahre 1969 noch eine wichtige Rolle an der Grube spielen.

Der Neffelbach - hier aus dem Eilich kommend - musste ungefähr an dieser Stelle Anfang der 1950er Jahre begradigt werden, da er sich quer durch das Abbaugebiet schlängelte. Oben Ufer-rand des heutigen Baggersees.




Wohin mit dem Dreck?
Abraumhalde Juntersdorf ab 1953

"Zur Deponierung des Abraumes wurde bei Juntersdorf eine Hochkippe angelegt. Bereits nach kurzer Betriebszeit begann man dann mit der Rekultivierung der Halde. Es wurden Klee und Gras eingesät, durch die sich eine geschlossene Grasnarbe bildete, die Schafe abweideten. Die Halde wurde terrassenförmig aufgestockt. Die horizontal liegenden Flächen nutzte man als landwirt-schaftliche Flächen, die Böschungen dagegen, um den Boden zu halten, rekultivierte man forstwirtschaftlich.  



Oben: Auf der Straße zwischen der Kirche Juntersdorf und Langendorf kann man der Schranke das Gelände der Kippe Juntersdorf erreichen. Hier an dieser Stelle verliefen die betriebseigenen Schienen der Werkloks der Firma Victor Rolff KG aus Füssenich kommend.

Für den Abtransport des Abbaus aus den Gruben bis hin zur Juntersdorfer Kippe wurden 4 Lokomotiven der Firma Schöttle & Schuster aus Türnich und weitere Loks aus dem Bestand der Firma Viktor Rolff KG in Dienst gestellt.




Vor 70 Jahren
Die neue Brikettfabrik - 
einzigartig in der Region.

Die Braunkohlen wurden zunächst in die Brikettfabrik in der Grube Fürstenberg bei Frechen transportiert. Um die Braunkohle im eigenen Werk verarbeiten zu können, baute man in Geich ab 1955 eine neue Brikettfabrik.


Bei Geich wurde 1954 eine neue Brikettfabrikgepalant und am 12. 10. 1955 konnte das Werk in Betrieb genommen werden. Bis zu 500 Menschen kamen hier in Beschäftigung. Das Gehalt der Arbeiter lag in den 1950er und 1960er Jahren bei etwa stolzen 600 DM monatlich. Dazu kamen noch Zuschläge für Sonntags- und Feiertagsarbeit.


In den Abendstunden jenes Tages purzelten die ersten Briketts auf ein Förderband, und die Familie Rolff sowie Vertreter der Industrie, der vielen Lieferfirmen und die Belegschaftsmitglieder nahmen sich zur Erinnerung ein noch warmes Brikett mit nach Hause. Sieben Pressen arbeiten unentwegt in drei Schichten. In 24 Stunden werden 1.300 Tonnen (= 26.000 Ztr.) Briketts gepresst, ausgestoßen und in Güterzügen oder von Lastkraftwagen im Landabsatz abtransportiert. Das Werk arbeitet auf vollen Touren.

Foto: Brikett mit der Aufschrift 1955-1969 Werk Zülpich, Victor Rolff KG. Quelle: Mit freundlicher Genehmigung der Victor-Rolff-Stiftung,


Fabrikgelände in Geich (Foto: Archiv Victor Rolff-Stiftung)

Seite „Braunkohlebergbau“. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 4. August 2021, 15:09 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Braunkohlebergbau&oldid=214492990 (Abgerufen: 25. September 2021, 13:12 UTC) Foto: Stadt und Kreisarchi Düren, Bildarchiv, Mappe 115/7




Das Fabrikgelände in Geich ab 1955

Bandstraße in Geich, Foto: Sammlung Karl Kloock, Geich.

 

Hier war die Verladerampe. Schienen der V. Rolff KG führten zu den Gleisen der Bahn ( Düren-Zülpich-Euskirchen).

Schienen der Strecke Düren-Zülpich-Euskirchen. Im Hintergrund die Fabrik.

Farbfotos: JCD


Am 12. Oktober 1955 nahm man sie in Betrieb. In der Fabrik arbeiteten sieben Pressen in drei Schichten. In vierundzwanzig Stunden wurden 1.300 Tonnen Briketts gepresst, ausgestoßen und in Güterzügen oder von Lastkraftwagen im Landabsatz abtransportiert. Die Fabrik lieferte auch Strom für das RWE (Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk). 

Die im Werk erzeugte Energie wurde in der Fabrik nicht ganz benötigt und so konnten erhebliche Mengen Strom an das Versorgungsnetz der Umgebung abgegeben werden. Eine erste Turbine lieferte rund 13.000 Kilowattstunden, die zweite Turbine erzeugte rund 24.000 Kilowattstunden".

Info: Die Braunkohle wurde mit Maschinen zerkleinert, getrocknet und in Brikettform gepresst. Damals war die Fabrik in Geich die modernste Brikettfabrik in Westdeutschland. (heimatweb-eu.de)

Brikettfabrik in Geich, Trockner für Kohlen, Einfallseite.

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Pressenhaus, Foto: Archiv Victor Rolff-Stiftung.

Seite „Braunkohlebergbau“. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 4. August 2021, 15:09 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Braunkohlebergbau&oldid=214492990 (Abgerufen: 25. September 2021, 13:12 UTC)


Förderbänder-und Spezialbagger –

 das Modernste in dieser Zeit


"Nachdem die abgebaute Kohle zunächst über eine Abraumbahn transportiert worden war, wurde diese danach sehr schnell durch große Förderbänder aus Gummi ersetzt. Diese Förderbänder hatten insgesamt eine Länge von ca. 10 Kilometern und verliefen damals direkt in die Brikettfabrik oder zu den Abraumhalden.


In der Brikettfabrik wurde die noch unbehandelte Kohle zunächst in einem Bunker mit einer Kapazität von ca. 4.500 Kubikmeter zwischengelagert. Ein so ständig vorrätiges Mindestmaß an Kohle sollte nicht nur als Lager, sondern auch als Sicherheitsreserve für eventuelle Ausfälle der Bandstraßen dienen.

Bandstraße für Abbau von Kohle und Erde.

Foto: Stadt- und Kreisarchiv Düren, Bildarchiv, Mappe 115/5)


Die Förderbandanlage wurde damals als eine der modernsten Anlagen im Braunkohlenbergbau in Europa gesehen, und war daher gleichsam auch ein beliebtes Studienobjekt für zahlreiche – und sogar auch ausländische – Experten.




Spezialbagger für spezielle Arbeit.

 

Einige Bagger der Grube Victor


 Oben: Der größte Bagger seinerzeit in Europa: Der Schaufelradbagger 108, im Einsatz bis 1958. Er wurde in der Nähe Grube "Zülpich-Süd"  zusammengebaut.


Oben: Bagger 106 


Oben: Bagger 102 , im Einsatz bis 1958.


Oben: Eimerkettenbagger 101 bis 1958

Fotos mit freundlicher Genehmigung der Victor-Rolff-Stiftung.



Da die Braunkohle erst in einer Tiefe von ca. 60 Metern zu finden war, musste der Abbau in zwei Trassen mit einem 417 Tonnen schweren und einem kleineren Schaufelradbagger sowie einem Eimerkettenbagger  erfolgen, wobei der Abbau der Kohle dann im "Schwenkbetrieb" um einen gedachten Drehpunkt herum fortgeführt wurde".

Seite „Tagebau Zülpich“. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 5. Mai 2021, 14:26 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Tagebau_Z%C3%BClpich&oldid=211636506 (Abgerufen: 25. September 2021, 12:01 UTC)


1970: Blick auf die Rest-Grube Füssenich am Weiertor in Zülpich. Die Grubenarbeiten wurden ein Jahr zuvor eingestellt, der westliche Teil der Grube u.a. mit Wasser des Neffelbaches aufgefüllt

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Foto: Fotoarchiv Medienzentrum Euskirchen, K. Mertens.



Schienennetz in der Grube - natürlich mit "Weichensteller".


Für das betriebseigene Schienennetz benötigte man in der Grube natürlich auch einen "Weichen-steller". Auf dem Foto ist Dr. Hanns G. Noppeney als Student zu sehen, der diese Arbeit während seiner Semesterferien 1957 für zwei DM je Stunde übernommen hatte.  

Heute lebt Herr Noppeney im Ruhestand in Troisdorf, hat aber immer noch ein ungebrochenes Interesse an seinem geliebten Ort Füssenich.




          Einer der letzten Briketts aus dem Werk in Geich, 1969.                       

 (Foto und Brikett:  Sammlung History-Club Zülpich).




Bereits 1967 erste Überlegungen zur Schließung.
Verkauf der Firma 1969 an "Rheinbraun/RWE Power".


Victor Rolff entschied sich bereits im Jahre 1967 nach einer gründlicher Überlegung dafür, das Braunkohlegeschäft  kurzfristig zu beenden, da es für ein Familienunternehmen mit seiner Größe unter den hiesigen Bedingungen nicht mehr wirtschaftlich zu halten war. Er verkaufte die Firma 1969 schließlich an "Rheinbraun bzw. RWE Power". Stolz war Victor Rolff seinerzeit, dass alle seine 1200 Mitarbeiterinnen und MItarbeiter im Anschluss eine neue Beschäftigung fanden. Im Jahr 1971 kaufte Victor Rolff die Burg Gladbach und sanierte diese von Grund auf.

Die Schließung war für den damals Anfang dreißigjährigen Unternehmer eine schwere Aufgabe, die er mit hoher sozialer Verantwortung löste. Sein lang gereifter Plan, eine Stiftung zu gründen, verwirklichte er im Jahr 1995 und setzte die Burg als Sitz der Stiftung fest.

Er schätzte die Ruhe in der Natur, insbesondere in der nahe gelegenen Nordeifel, und zog sich weitestgehend in sein neues Zuhause zurück. Hier fand zwischen historischen Barockmöbeln auch moderne Malerei ihren Platz an den Wänden. Er widmete sich  mehr und mehr der Landwirtschaft, die sein Leben von Anfang an prägte und erfüllte. Hier in seinem privaten Rückzugsgebiet pflanzte er 14.000 Bäume, die er aus seiner alten Heimat "Gut Pompelbusch" holen ließ, um sie dort nicht verkommen zu lassen.

V. Rolff war nicht verheiratet und hatte keine Kinder. Zuletzt lebte er mit seiner Partnerin, der Künstlerin Caroline Lauscher, auf Burg Gladbach.“

Dass F. Viktor Rolff ein begeisterter Autofahrer war und dem Rennsport sehr nahe stand, ist bekannt. Seine Leidenschaft für den Motorsport musste er allerdings schon in frühen Jahren für den Braunkohletagebau aufgeben.


1969: Rheinbraun als neuer Eigentümer.


"In der Mitte der 1960er Jahre ging die Wirtschaftlichkeit der Gruben stark zurück. 1965 wurden große Teile der Förderung auf Halde gelegt.

Beide Gruben wurden nach 1969 mit dem Wasser des Vlattener Baches bzw. Neffelbaches geflutet, wobei die Grube Füssenich mit dem Abbau der Grube Zülpich-Süd langsam aufgeschüttet wurde, so dass nur ein Teil des Erdlochs mit Wasser - so wie es heute sichtbar -  aufgefüllt wurde. Das Teilstück Nähe Zülpich wurde erneut Ackerland. Alle Werksbauten, die ich seinerzeit in Nähe des Bahnhofs Geich-Füssench befanden, wurden bereits um 1960 abgerissen und neu auf dem Grundstück an der B 56, heute Firma Hecker & Krosch, erbaut.


Foto: Werksgelände am Dorfausgang Geich Richtung Zülpich. Hinter der Halle links im Bild befinden sich heute noch Reste der Werksgebäude der Victor Rolff KG aus dem Jahre 1960. Am 01.09.1969 gründeten hier Johann Krosch und Adolf Hecker – zunächst als Reparaturbetrieb mit zwei Arbeitern - die Firma „Hecker & Krosch“.


"Am 31. August 1969 wurden schließlich alle Grubenarbeiten aufgegeben, und auch in der nahegelegenen Grube Zülpich-Süd wurde der Betrieb vollständig eingestellt. Die Grundtücke der Werksanlagen auf dem heutigen Grundstück Hecker & Krosch wurden verkauft". 

Am 01.09.1969 ging das gesamte Werk Zülpich an die Rheinische Braunkohlenwerke AG (Rheinbraun).

Vor der Vernichtung gerettet:


Foto vom Fenster eines Betriebsgebäudes, zur Verfügung gestellt von dem ehemaligen Arbeiter Willi Schneider aus Geich, der es für ein paar Mark als Andenken an seinen Arbeitsplatz erworben hatte. Das Fenster schmückt heute seine Garage in Zülpich-Geich.

Das Fenster stammt aus dem Betriebsgebäude ganz links im Foto.

Foto oben: Willi Schneider, Geich, unten:Archiv Stadt Zülpich Bildarchiv, Luftaufnahme, Tagebau Zülpich, Bild t3.




Nachnutzung des Geländes der Brikettfabrik und des Kraftwerks.


"Das Betriebsgelände der Wallenius Wilhelmsen Logistics Germany GmbH auf dem ehemaligen Gelände der Brikettfabrik bei Geich nahe dem nord-westlichen Ortsausgang von Zülpich.

Die Gebäude und das Gelände der stillgelegten Brikettfabrik bei Geich wurden nach der Einstellung des Tagebaubetriebs vielfältig weitergenutzt, umgewandelt oder abgerissen.


Fabrikgelände heute, u.a. von "Wallenius Wilhelmsen Logistics Germany GmbH" genutzt.


Aktuell ist auf dem Gelände neben kleineren Gewerbebetrieben ein regionaler Standort der europaweit tätigen und auf Autotransporte spezialisierte Wallenius Wilhelmsen Logistics ansässig. Auf dem ehemaligen Gelände der Brikettfrabik bei Geich unterhält das Unternehmen seit Jahren einen sehr großen Umschlagplatz für PKW des französischen Autoherstellers Renault zur Auslieferung von Neufahrzeugen in ganz Deutschland.



Das heutige Betriebsgelände der Wallenius Wilhelmsen Logistics Germany GmbH auf dem ehemaligen Gelände der Brikettfabrik bei Geich nahe dem nord-westlichen Ortsausgang von Zülpich (Luftaufnahme mit Blick nach Norden aus dem Jahr 2016)".

Foto: Wolkenkratzer - Eigenes Werk - Zülpich, Wallenius Wilhelmsen Logistics Gelände, Luftaufnahme (2016) CC BY-SA 4.0

Seite „Tagebau Zülpich“. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 5. Mai 2021, 14:26 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Tagebau_Z%C3%BClpich&oldid=211636506 (Abgerufen: 24. September 2021, 19:37 UTC


Die weitere Nutzung der Gruben in heutiger Zeit.


Oben:  Füssenicher Tagebaurestesee (Neffelsee)


"Der Naturschutzsee Füssenich (amtlich Neffelsee, auch Füssenicher See genannt) ist ein Tagebaurestsee, der sich um 1967 durch die Rekultivierung des Braunkohle-Tagebaus „Zülpich-Mitte“ (ehemals „Victor“, nach dem Gründer der Betreibergesellschaft, Viktor Rolff) im Gebiet der Stadt Zülpich bildete. Der See liegt im Naturschutzgebiet Neffelsee.

Geplant war am See genauso wie beim Wassersportsee Zülpich, der ebenfalls in dieser Zeit durch den Tagebau in der Region entstand, einen Badestrand anzulegen. Dieser Plan konnte nicht umgesetzt werden, da die aus Sand aufgeschütteten Böschungen immer wieder abrutschten. Somit ist, abgesehen vom Naturschutz, die einzige heutige Aufgabe die Funktion als Hochwasser-Rückhaltebecken des Neffelbachs, der westlich vom See entlang fließt und ein Überlaufbauwerk in den See hat.



Abbaugebiet Zülpich -Süd, 1965 -1969


Der Abbau in Zülpich-West (Juntersdorf) wurde nie realisert.




Werksloks der Firma Victor Rolff, Tagebau Zülpich. Mitte der 1960er Jahre in Zülpich, nahe Gymnasium.


Lokomotiven, eingesetzt im Tagebau Zülpich um 1965.
Werkslok der Firma Victor Rolff KG.

In den Gruben wurden neben den Lokomotiven der Firma V. Rolff auch 4 Loks der Firma Schöttle & Schuster aus Türnich eingesetzt. 


Fotos: Sammlung Familie Billig, Zülpich.


Wassersportsee mit Sandstrand im Süden von Zülpich.

Der Zülpicher Wassersportsee wurde nach der Stilllegung 1969 

mit m Wasser des „Vlattener Baches“ geflutet.

Der See ist genauso wie der Naturschutzsee Füssenich durch den Tagebau in der Region Zülpich und den darauf folgenden Rekultivierungsmaßnahmen in den 70er Jahren entstanden. Nach dem Ende der Braunkohleförderung im Jahr 1969 wurde das Restloch mit Hilfe des Vlattener Baches geflutet. Seitdem wird er als Freizeit- und Erholungszentrum genutzt. Am Südwest-Ufer wurde auf einer Länge von rund 150 Metern ein Sandstrand angelegt, der als überwachter Badebereich genutzt wird".

Foto: Raimond Spekking & Elke Wetzig / CC BY-SA Seepark Zülpich.

Seite „Naturschutzsee Füssenich“. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 11. Februar 2021, 14:53 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Naturschutzsee_F%C3%BCssenich&oldid=208695968 (Abgerufen: 24. September 2021, 19:00 UTC)

Seite „Wassersportsee Zülpich“. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 2. August 2021, 14:15 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Wassersportsee_Z%C3%BClpich&oldid=214437765 (Abgerufen: 24. September 2021, 19:05 UTC)

Foto oben:  Erika Mlejová (sk:Redaktor:Erika Mlejová) – self Wassersportsee Zülpich, Kreis Euskirchen, NRW, Deutschland GNU Free Documentation License MehrCC BY-SA 3.0


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