Die Neffeltalstrecke

und ihre Bahnhöfe.


                    Vorgeschichte

                                      Logo der Rheinischen Eisenbahngesellschaft - gegründet 1836.


Eine Kleinbahn muss her...


Die erste Eisenbahnlinie im Dürener Land wurde am 1.9.1841 zwischen  Aachen,  Düren und Köln eröffnet.

Betreiber war die "Rheinische Eisenbahngesellschaft" unter ihrem Präsidenten Ludolf Camphausen, der das Amt 1944 an Gustav Mevissen (links) abgab.

Es war seinerzeit die siebte staatliche Eisenbahnstrecke im damaligen Deutschland. Eingesetzt wurden die aus England stammenden Lokomotiven "Rhein", "Hercules" und  "Vorwärts".

Gustav Mevissen



Eine bemerkenswerten Aufschwung wurde der Stadt Düren zwischen 1885 und 1905 zuteil. Damals lag die Zahl der Einwohner bei 29771. Düren wurde die zweitgrößte Stadt im Regierungsbezirk Aachen und wohl die bedeutendste und reichste Stadt des Rheinlandes. Dies war sicher der Tatsache zu verdanken, dass es bereits in diesen Jahren eine nennenswerte Eisenbahnvernetzung gab.  Die Strecken Aachen - Düren - Köln von 1841 oder die Strecke Düren - Euskirchen von 1864 sowie die Linien nach Kreuzau 1892 oder bis Mönchengladbach 1870 seien hier erwähnt.

Aber es fehlte weiter an einer Verbindung zu den Außenbezirken des Kreises Düren - zum Beispiel an einer Strecke von Nörvenich und am Neffelbach entlang bis nach Zülpich und Embken.

Droschken und Planwagen waren die Fahrzeuge jener Zeit, die z. B. vom Bahnhof in Düren oder Zülpich aus gemietet werden konnten (Foto oben), um zu weiteren Außenbezirken im Kreisgebiet zu gelangen. Auf der Straße Düren-Zülpich wurde 1843 eine tägliche Personenpost eingerichtet. 1853 wurden sogenannte Pferde-Omnibusse für die Fahrten zu den Außenbezirken eingeführt. In den kommenden Jahren konnten die meisten Orte des Kreises Düren mit diesen Verkehrsmitteln erreicht werden. Ab 1910 betraten dann die ersten Omnibusse für diese Linien die Bühne. Die Kutschen und Planwagen wurden nach und nach eingemottet.


Eine Kleinbahn sollte alle verkehrstechnischen Probleme lösen.

Im Nachbarkreis Euskirchen wurde bereits am 01.April 1895 eine Kleinbahnstrecke (1 Meter--Spurbreite) als "Euskirchener Kreisbahn" eröffnet, an die auch eine Zuckerfabrik in Euskirchen angebunden war.

Foto oben: Die EKB in Hoven bei Zülpich vor einer Gaststätte, die heute noch existiert,  in Richtung Kommern - um 1900.

Bild Sammlung H.Theo Pütz, Vettweiß

In der Kreisverwaltung Düren gab es zu dieser Zeit ebenfalls schon erste Überlegungen und Anregungen zur Errichtung einer Kleinbahn für die Erreichung der Dürener Außenbezirke z.B. eine Linie von Düren nach Nörvenich. Den Bau sollte die 1895 gegründete "Westdeutsche Eisenbahngesellschaft übernehmen".

In seiner "Chronik der Stadt Düren" schreibt Justizrat Brüll: "Bis zum Jahre 1841 lagen die Verkehrsverhältnisse sehr im Argen. Zwar bestanden gute Landstraßen für den Fuhrwerksverkehr, aber erst vom 1. Mai 1835 ab wurde durch die Bemühungen des Dürener Bürgermeisters Dr. Günther (rechts) der Hauptpostverkehr von Köln nach Aachen, statt wie bis dahin über Bergheim und Jülich, über Düren geführt, da die neue Kölner Landstraße gerade vollendet war."

Es bestand seit 1893 bereits eine 1000mm-Spur-Bahn in Düren, die anfangs nur dem Güterverkehr in Düren und Birkesdorf diente und  später bis Pier und Merken ausgebaut wurde.  Betreiber war die "Dürener Dampfeisenbahn Aktiengesellschaft".

Diese Zustände führte dazu, dass 1895 das Projekt " Anlage von Kleinbahnen im Kreis Düren" beschlossen werden konnte und 1906 ein Vertrag zwischen Vertretern des  Kreises Düren und der "Westdeutschen Eisenbahngesellschaft" für bestimmte Eisenbahnstrecken geschlossen wurde und somit einige Strecken konzessioniert wurden.

Unter anderem auch die hier in der kleinen Dokumentation behandelte Neffeltal-strecke "Distelrath-Nörvenich-Zülpich-Embken", die mit Baukosten von über 2073000 Mark  - jedenfalls bis Zülpich - veranschlagt wurde.

Die Westdeutsche Eisenbahn Gesellschaft verpflichtete sich dazu, die Spurbreite auf der gesamten Linie mit 1435 mm festzusetzen. Für den Grunderwerb aller Strecken der neuen Kleinbahnstrecken waren zusätzlich noch einmal 800.000 Mark aufzubringen.

Quelle: Vergl."Geschichte der Dürener Kreisbahn 1908-1958"


Anschlüsse sollte es dann in Düren und in Zülpich bei den dortigen Staatsbahnhöfen geben. Eine Verbindung zu dem bereits seit Jahren bestehenden Bahnhof in Zülpich-Stadt (Betreiber: Euskirchener Kreisbahn) war hier vorgesehen, um die Eifelstrecke   zu bedienen (Foto: F.J.Schulte, Zülpich).


Für die neue Neffeltal-Strecke sollte schließlich die Dampflokomotive Lok 2b Humboldt, Bj.1908, für die "Normalspur (1435mm) eingesetzt werden.

Im Dezember 1906 erfolgte der erste Spatenstich bei Merzenich. An diesem Abschnitt benötigte man jedoch eine Unterführung für die Eisenbahn-Strecke zwischen Düren und Euskirchen. Diese Strecke wurde bereits 1864 eröffnet (die heutige Bördebahn).

Die Dürener Kreisbahn zahlte seinerzeit die entstandenen Kosten für die erforderlichen Baumaßnahmen in Merzenich. Die Spurbreite lag bei den gewöhnlichen 1435 mm. Der Bau der Eisenbahnstrecke erfolgte zwischen 1906 und 1908.


Infos:


Die Westdeutsche Eisenbahngesellschaft wurde gleichsam als Gegenstück zu den Ostdeutschen Eisenbahngesellschaften gegründet.

Ein Bankenkonsortium übernahm 90 Prozent des Aktienkapitals von 5 Millionen Mark.




1880 geht das deutsche Streckennetz durch "Bismarcks Verstaatlichungspolitik" an den Staat. Die Kleinbahnen - wie die DKB und EKB - waren hiervon jedoch ausdrücklich ausgenommen ( siehe Preußisches Kleinbahngesetz vom 28. Juli 1892).


Siegelmarke: Autor/-in unbekannt - http://www.veikkos-archiv.com/index.php?title=Datei:W0356541.jpg
Siegelmarke Westdeutsche Eisenbahn-Gesellschaft
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Kapitel 1

Die Geschichte der Neffeltalstrecke



Mit den ersten Planungen und der Betriebsführung wurde die Westdeutsche Eisenbahn-Gesellschaft (WeEG) beauf-tragt. Mit dem Bau begann man bereits im Jahre 1906.

 

Anfang Juli 1906 richtete die "Westdeutsche Eisen-bahn-Gesellschaft" für den Bau der Dürener Kreisbahn in der Stadt Düren eine Bauabteilung ein und ernannte zum Vorstand dieser neuen Bauabteilung Herrn Regie-rungsbaumeister Duhme (links).



Von 1908 ist 1912 war Direktor Leo Leiter der DKB (links).

Von 1912 bis 1929 übernahm Emil Bachem, der vorher Leiter der Moseltalbahn war, das Amt.

1929 trat Direktor Wilhelm Schirmer die Nachfolge von Emil Bachem an.

1932 bis 1934 war Hermann Hammans geschäfts-führender Direktor der Dürener Kreisbahn und von 1934 bis 1954 Direktor Schirmer. 1954 bis 1959 hatte Dr. Weise und von 1959 bis 1961 Direktor Mönch die Führung des Unternehmens inne.


Während des letzten Zeitabschnitts der Neffeltalstrecke von 1960 - 1968 wurde die Betriebs-führung in die Hände der Deutschen Eisenbahngesellschaft in Frankfurt gegeben. Geschäfts-führer war in dieser Zeit Kreiskämmerer Höller.



1908-1911

Die Neffeltalstrecke nahm Züge an.

1907 waren die Erd- und Böschungsarbeiten auf einer Teilstrecke der neuen Linie Düren-Nörvenich-Zülpich bis Sievernich/Bessenich fertiggestellt und die notwendigen Beseitigungen von störenden Bauwerken sowie die Errichtung von Brücken und Durchlässen abgeschlossen. Am 6.10.1908 startete der Güterverkehr zwischen Düren-Nörvenich und Zülpich (z.B. Rübenernte, Viehtransport).

Am 06. Februar 1909 wurde der dampfbetriebene Teilabschnitt von Düren nach Bessenich für den Personenverkehr eröffnet, der Abschnitt bis Zülpich folgte am 1. Mai 1909 mit einer Humboldt-Dampflok.

 

Bereits am  02. Oktober 1908 war die offizielle Eröffnung des Straßenbahnbetriebes bekannt gegeben worden, nachdem am 3.9.1908 eine Probefahrt vom Bahnhof Distelrath bis in die Stadt stattgefunden hatte.

Ein Wagen der Dürener Kreisbahn war als Zubringerwagen vom Staatsbahnhof Düren bis Distelrath für die Dampfstrecke Distelrath - Zülpich vorgesehen. Er hatte ein Abteil Zweiter Klasse mit sechs Plätzen, darauf folgte ein Packwagen mit sechs herabklappbaren Notsitzen und 18 Sitzplätzen der "Dritten Klasse".


Bild: Erste Fahrt des Triebwagens 20 in der Eisenbahnstraße - Quelle: Dürener Kreisbahn.


 

Die Streckenlänge auf 33.8 km verlängert.

Am 05. 01.1910 wurde die Strecke von Zülpich bis nach Embken verlängert.



Dort wurden die Grube Astrea in Juntersdorf und die dazugehörige Brikettfabrik angeschlossen. Ein Jahr später startete auch der Personenverkehr auf dieser Strecke.


Brikettfabrik in Juntersdorf.


Spatenstich war in Merzenich - Hier mussten sich die Strecken "Düren-Euskirchen", die 1864 errichtet wurde, mit den neuen Gleisen für die "Neffeltalstrecke" kreuzen. Foto: Ehemaliger Durchlass der Bahnstrecken von Distelrath nach Merzenich und Birkesdorf der Dürener Kreisbahn unter der Bahnstrecke von Düren nach Euskirchen.


Radiojunkie - Eigenes Werk
CC BY-SA 3.0


Insgesamt waren von Düren bis Embken 19 Brückenbauten erforderlich:

• die Überführung der Staatsbahn in Düren,
• die Unterführung der Staatsbahn in Zülpich
• drei Straßenüberführungen,
• eine Straßenunterführung,
• drei Wegunterführungen,
• zehn Bachunterführungen.


                                                                                                                                        Lüxheim, nach dem 2.WK


Erster Weltkrieg brachte große Veränderungen bei der Kreisbahn.


Mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges 1914 sank der Personalbestand männlicher Betriebsangehöriger sehr drastisch, so dass viele Frauen für die im Felde kämpfenden  Männer eingestellt wurden.

7 Frauen als Fahrerinnen und 14 Schaffnerinnen in den elektrisch betriebenen Fahrzeugen standen  bei der Kreisbahn in diesen Tagen in Lohn und Brot. Die Männer, die nicht zum Wehrdienst eingezogen wurden, waren starken körperlichen Belastungen bei der  täglichen  Arbeitszeit ausgesetzt, die oftmals bis zu 18 Stunden täglich betrug.

Schaffnerin der Dürener Kreisbahn , A. Bauth aus Eschweiler ü.Feld. Das Foto stammt aus der Zeit vor 1939.
Foto: Sammlung HGV Nörvenich, Herr A. Bergrath.

Quelle: Chronik der Dürener Kreisbahn 1908-1958.


Abzweigung der Strecke in Distelrath für die Heeresverwaltung.


Zwischen den Kriegsjahren 1915 bis 1918 wurde in Distelrath ein Luftschiffhafen mit zwei Ankerplätzen und Nebengebäuden unterhalten, der mit der Klein-bahn von Distelrath aus erreichbar war.

Für diese Strecke wurde die vierachsige "Loko-motive 5 g"  aus den Vulcan-Werken eingesetzt.

Foto: Dürener Kreisbahn "70 Jahre",

Das Foto zeigt das Luftschiff LZ 107 in Düren, um 1916.

Foto oben: Luftschiffhalle und Gleisverlauf aus Distelrath ( Foto: Stadt- und Kreisarchiv Düren).



1920: DKB wurde Gesellschaft mit beschränkter Haftung.

Betriebsführung der Neffeltalstrecke ging an die "DKB GmbH".

Die Westdeutsche Eisenbahngesellschaft wollte eine Änderung des Pachtvertrages mit der Dürener Kreisbahn durchsetzen, um höhere Beteiligungen des Kreises zu erhalten. Der Kreis Düren verweigerte die Zahlung eines höheren Zuschusses, worauf die WEG den Pachtvertrag zum 31.12.1920 aufkündigte.

Die Kreisbahn wurde eine GmbH mit dem Vorstand Emil Bachem , Dr. Wilhelm Rombach, Otto Kern, Herrmann Löwenstein, Friedrich Kleinen. Stammkapital 600000 Mark.

Mit dem 31.12.1920 übernahm die Dürener Kreisbahn somit auch die Neffeltalstrecke von der Westdeutschen Eisenbahngesellschaft.

Auf Grund der Weltwirtschaftskrise wurde der Betrieb zwischen Dezember 1922 und Januar 1924 eingestellt. Wegen massiver Einnahmeverluste wurde fast dem gesamten Personal der Dürener Kreisbahn gekündigt.


1923:  Franzosen und Belgier beschlagnahmten die Strecken.

Am 11. Januar 1923 beschlagnahmten das französische und  das belgische Militär die Eisenbahnstrecken in den besetzten Gebieten und führten nun Regie auf den Strecken.

Lediglich die Verbindung Distelrath – Nörvenich blieb zur Umgehung der französischen Regiebahn zwischen Aachen und Buir noch vier Monate bis zum Frühjahr 1923 in Betrieb. Um die französische Regiebahn in Richtung Köln nicht benutzen zu müssen, fuhren viele der Dürener ab Markt mit der Straßenbahn bis Nörvenich, wo es Anschlussmöglichkeiten nach Horrem gab. ( Vergl. "75 Jahre Dürener Kreisbahn", S.17)



Die Beendigung der „Regie“  erfolgte am 31.08.1924.

Die Stadt Düren übernahm eine Bürgschaft in Höhe von 50.000 Goldmark. Kreis und Industrie beteiligten sich.

Die Dürener Kreisbahn lebte wieder.

Am 16. Januar 1924 konnte auch die  Neffeltal-Strecke Distelrath- Nörvenich bis nach Zülpich wieder aufgenommen werden.

1925 musste die Teil- "Neffeltalstrecke Zülpich-Embken" aus wirtschaftlichen Gründen für den Personenverkehr wieder eingestellt werden. Erst 1938 begann man wieder mit dem Personenverkehr auf dieser Linie mit dem neuen VT 1 Wismar-Schienenbus und 1941 zusätzlich mit dem VT 2.

Die Straßenbahnen erhielten 1930 mit der Farbe "Elfenbein" ein neues Aussehen. Sie erschien erstmals auf dem Triebwagen TW Nr. 12/1.


                  Die Elektrifizierung der Neffeltalstrecke bis Bessenich.

Bereits im November 1908 war der Abschnitt zwischen Distelrath und Merzenich mit Oberleitungen versehen. 1927 wurde die Strecke Merzenich-Girbelsrath und 1928 die Strecke Girbelsrath-Nörvenich elektrifiziert.

Mit einer weiteren Elektrifizierung in Richtung Bessenich/Zülpich wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg - in den 1950er Jahren - begonnen. Die Fahrleitung erreichte 1955 Müddersheim und 1957 Sievernich. Für den Güterverkehr wurden Dampflokomotiven eingesetzt.

1928  ging die Dürener Kreisbahn zu Linienbezeichnungen über. Für die Strecke Düren/Bahnhof - Distelrath - Nörvenich wählte man die Liniennummer 7 ( rot-grün).

Am 09. Juli 1931 wurde die Dürener Kreisbahn GmbH aus Gründen der Neugestaltung des Dürener Verkehrswesens aufgelöst und von neun Ämtern des Kreises, von der Stadt und vom Kreis Düren neu gestaltet. Landrat Schaaf und Oberbürgermeister Dr. Overhues (Bild) wurden zu Geschäftsführern der DKB bestellt.


Tw 18 (Herbrand/Siemens, Baujahr 1908) als Sonderwagen für britische Eisenbahnfreunde auf der ehemaligen normalspurigen Stammstrecke der Dürener Kreisbahn von Distelrath über Zülpich nach Embken. (Foto mit freundlicher Genehmigung der Eisenbahnstiftung, Herr Bügel).


1938 wurden im Personenverkehr die Dampflokomotiven durch Dieseltriebwagen abgelöst.



Der neue Schienenbus " Schweineschnäuzchen" wurde geliefert.

Personenverkehr nur zwischen Nörvenich und Embken.

Am  02. November 1938 wurde ein neuer Triebwagen in Dienst gestellt. Es war ein Schienenbus aus dem "Werk Wismar" mit einem Ford-Vorbau-Motor für die Strecke Nörvenich-Zülpich-Embken.

Kosten 39.000 Reichsmark. 1941 wurde ein weiterer Schienenbus des gleichen Typs (VT2) eingesetzt. Das Fahrzeug wurde wegen seines "Vorbaus" liebevoll von der Bevölkerung " Schweineschnäuzchen" genannt. Das Fahrzeug konnte in beide Fahrrichtungen bewegt werden. Kam man am Endbahnhof an, wechselte der Fahrzeugführer einfach die Fahrerkabine für die Rückfahrt.

Im Gebiet um Zülpich wurde die Bezeichnung "Benden-Has" bevorzugt, weil er das Wiesengebiet in dieser Landschaft durchkreuzte  (" In den Benden" = meist sumpfiges Wald- und Wiesengebiet an einem Fluss- oder Bachlauf). Für die Strecke Nörvenich bis Embken brauchte der Schienenbus 1 Stunde und 20 Minuten. Bis  Nörvenich wurden die Fahrgäste aus der Stadt mit der Straßenbahn befördert. Die Fahrgäste mussten dann aus der Straßenbahn in den Wismarbus umsteigen.


Krieg und Vernichtung -

Die Dürener Kreisbahn verschwand - vorerst.

20 Jahre lang -  von 1924 bis zur völligen Zerstörung Dürens durch den Luftangriff vom 16.11.1944 - erfreute sich Dürens Kreisbahn nach der Währungsreform einer guten Entwicklung.


Oben: Blick nach Osten. Der zerbombte Bahnhof Zülpich-Stadt in den letzten Kriegsmonaten (Foto.Sammlung F.J.Schulte, Zülpich). Vorne: Reste der Gleise nach Embken am heutigen Adenauerplatz/Bonner Straße in Zülpich


Im Zweiten Weltkrieg wurden u.a. die Ortschaften Düren und Vettweiß aus dem Kreis Düren sowie Zülpich samt ihrer Eisenbahnstrecken so stark beschädigt, dass einige der Strecken nicht mehr befahren werden konnten. Am 16. November 1944 setzte ein verheerender Bombenangriff auf die Stadt Düren dem Betrieb der Dürener Kreisbahn ein jähes Ende.

Alle Brücken über die Rur - außer die Dreigurtbrücke (Foto: Sammlung Eisenbahnstiftung, 1932)  - waren zerstört. Die Kreisbahn-(Neben)Gebäude in Distelrath waren weitestgehend nicht mehr nutzbar. Die Fahrzeuge, die sich bei dem Bombenangriff auf der Strecke außerhalb Dürens befanden, konnten nicht mehr in die Stadt zurück. Intakt geblieben war nur der Streckenabschnitt der Neffeltalbahn Girbelsrath-Nörvenich-Zülpich-Embken. Hier fanden noch drei Dampfloks und  der Schienenbus VT 1 Verwendung.

Bahnhof Nörvenich. Links der Wismarbus nach Embken. Mitte: Einer der noch nach dem Krieg verbliebenen Dampflokomotiven für die Neffeltalstrecke. Rechts weiterer Personenzug. Foto:DKB.


Auf der Strecke wurden bis Embken noch bis in die letzten Kriegsmonate hinein Panzer und sonstiges Kriegsmaterial transportiert.

Ab 1950 begann dann das langsame Sterben auch der Dürener Kreisbahn-Schienen-Linie am Neffelbach.


Nach dem Krieg  - Kraftanstrengungen.

Bis zur Einnahme der Region ab dem 25.02.1945 durch die 1. US-Armee konnte der Betrieb der Dürener Kreisbahn über eine lange Zeit noch sporadisch auf einigen Streckenabschnitten aufrecht erhalten werden. Dann aber war endgültig Schluss.

Die Direktion der Kreisbahn und das noch wenige Personal packten die Sachen und brachten sich  in Hennef in Sicherheit, um das nahe Ende des Krieges bei der Rhein-Sieg-Eisenbahn abzuwarten.

Am 8. Mai 1945 war der Krieg endlich vorbei und man konnte sich auch bei der Eisenbahn einem Neubeginn zuwenden.

Am 11.6.1945 erteilte die amerikanische Militärregierung der Dürener Kreisbahn die Genehmigung zur Wiederaufnahme des Betriebes. Im April des folgenden Jahres verkehrte wieder die Straßenbahn zwischen Düren und Nörvenich.

                                                Stadtarchiv Düren, Bildermappe.


1950er Jahre: Mit Schwung an die Wiederaufnahme

der ehemaligen Kreisbahnlinien.


 

Durch einen enorm großen Fleiß und aufgrund eines ungeheuerlichen Kraftaktes wurde u.a. der Teilabschnitt der Neffeltalstrecke von  Zülpich - Nörvenich - Eschweiler ü. F. bereits am 13. August 1945 wieder in Betrieb genommen. Hier fanden nun neben den Schienenbussen VT 1 und VT 2 die alten Dampfloks wieder zu einem Einsatz.

Für die Rübentransporte und  weitere Erzeugnisse aus der Landwirtschaft kaufte die Dürener Kreisbahn von der Bundesbahn (nach 1949) eine Dampflokomotive , eine "Preußische G 72" mit der Betriebsnummer 55 1328. Sie wurde des Weiteren auch für den Güterverkehr der "Dürener Papier-, Textil- und Maschinenbauindustrie"  eingesetzt.

Foto: Eine Preußische G 72 aus der Reihe 55 702–1412

Von Bundesarchiv, Bild 183-15765-0024 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5340475


      Gleisunterhaltung -  "Rotte" - Für die Strecke unerlässlich.


Die "Rotte"  waren eigene Kräfte der DKB und zuständig für die Unterhaltung der Gleise der gesamten Strecke der DKB.


Insbesondere nach Ende des 2 Weltkrieges waren erhebliche Gleisarbeiten notwendig. Austausch von defekten Bahnschwellen, Reparaturen von verbogenen Schienen und
neue Verdichtung des Schotter-Unterbaues waren die typischen Arbeiten der "Rotte".
Foto: Sammlung HGV Nörvenich, A. Bergrath.


Schrecklicher Tag für die Dürener Kreisbahn und die Region.
2 Tote und 40 Verletzte forderte ein Unglück in der Vorweihnachtszeit des Jahres 1957.  Am 7. Dezember dieses Jahres gegen 18.oo Uhr fuhr ein mit Sand beladener Lastwagen in Hochkirchen am Bahnübergang mit voller Wucht in eine Straßenbahn, so dass diese aus den Schienen sprang. Viele Verletzte waren Angehörige der Kreisbahn. Zu den Toten zählte auch der Rottenmeister Josef Görgen 
(Quelle: Vergl. "70 Jahre DKB, Chronik 1978").


Die "Samba-Schaukel" 1951.


Der erste der nun aufkommenden  Omnibusse der Dürener Kreisbahn 1951. Gebraucht und schon etwas wackelig von der Stadtverwaltung  Düren gekauft mit Holzbestuhlung.



1957- Teilstrecke Zülpich-Füssenich

 musste dem Tagebau weichen.


Ebenfalls 1957 musste der zuletzt errichtete Streckenabschnitt zwischen Zülpich-Stadt und Embken stillgelegt werden, nachdem die Grube Astrea/Astraea zum Tagebau Zülpich erweitert wurde (Foto unten).


1957 war die Neffeltal-Strecke bis Bessenich elektrifiziert worden, wurde aber bereits drei Jahre später wieder abgebaut.

Obwohl 1958 der Aufbau der Oberleitung bis Bessenich fortgeschritten war, wurde der Personenverkehr auf der Strecke zwischen Nörvenich und Zülpich-Stadt bereits 1960 stillgelegt, der Güter- und damit der Gesamtverkehr folgte am 31. Dezember 1962.


Ende der 1950er wurden wegen der schwindenden Arbeitsleistung der veralteten Dampflokomotiven für den gesamten Güterverkehr zwei moderne Die-sellokomotiven von einer  Kieler Maschinenfabrik angekauft (links), von denen die kleinere Lok vornehmlich auf der "Neffeltalstrecke Nörvenich bis Zülpich" eingesetzt wurde.

Foto: Archiv Eisenbahnstiftung, Herr Bügel, Solingen.



Am 1. Januar 1960 übernahm die "Deutsche Eisenbahn Gesellschaft" den Betrieb.

Der Personenverkehr zwischen Nörvenich und Bessenich wurde als erste Maßnahme eingestellt.

Die neue Führung begann sofort mit der Einstellung wichtiger Schienennetze. So wurde als erstes die Linie Bessenich bis Nörvenich abgebaut. Die Strecke wurde von den Bussen der Dürener Kreisbahn  - nun auch wieder bis Embken  - übernommen.

Am 30. April 1963 wurde der Personenverkehr auf dem verbliebenen Teilstück zwischen Düren und Nörvenich eingestellt. Mit dem Ende des Güterverkehrs nach Nörvenich 1968 war die Strecke damit komplett stillgelegt und auf Busse umgestellt.

1963 fuhren letzte Straßenbahnen vom Kaiser-platz/Markt bis nach Nörvenich. Das gesamte rollende Straßenbahnmaterial kam auf den Schrott-haufen. Nichts blieb außer den Erinnerungen zu-rück. Erst später mit der Übernahme der Rurtal-bahn im Mai 1993 kommt die DKB wieder auf die Schiene.

Foto Sammlung History-Club Zülpich/Dürener Kreisbahn


 


Vergl.

Seite „Bahnstrecke Distelrath–Embken“. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 29. November 2022, 14:21 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Bahnstrecke_Distelrath%E2%80%93Embken&oldid=228411352 (Abgerufen: 15. April 2023, 13:24 UTC)N



Die Kraftpostomnibusse führten das Unternehmen in die Zukunft.

Bereits ab 1. Januar 1946 wurde an Stellen, wo keine neue Eisenbahnstrecke errichtet werden sollte,  eine Kraftomnibus-Linie (Kom-Linie) eingerichtet.

Die Linie Gladbach - Vettweiß - Froitzheim - Füssenich - Geich wurde 10 Jahre später, am 6. Januar 1956,  in Betrieb genommen.

Es bleibt noch die Kom-Linie Zülpich - Embken zu erwähnen, die für den Personenver-kehr eingerichtet werden musste, nachdem am 7. Januar 1957 durch den von der Firma "Victor Rolff  KG"  vorangetriebenen Braunkohlentagebau die Schienenstrecke zwischen den Bahnhöfen Zülpich Stadt und Geich-Füssenich abgebaut werden musste.

 


Kapitel 2

              

Der Streckenplan der Kleinbahn.

Der "Hauptbahnhof" der Kreisbahn war Distelrath.

Die Kleinbahnstrecke Distelrath - Embken war 33,8 Kilometer lang.

            



Interessantes aus der 

Dürener Medienwelt

des Jahres 1907.


Am 31. Mai 1907 war das zum Bau der Anfangsstrecke für die Neffeltalstrecke Düren-Nörvenich-Zülpich erforderliche Material, wie zum Beispiel Feldbahn, Kippwagen u.s.w. herangeschafft. Der Grunderwerb der einzelnen Parzellen für die Trasse war geregelt. 30 italienische Arbeiter waren an der Strecke eingesetzt. An diesem Tag wurde mit dem Bau der elektrischen Kreisbahn bei Merzenich begonnen. Am 5.6. konnten bereits die ersten Lokomotiven für den Transport von Erde und Material an die Baustelle eingesetzt werden (Dürener Zeitung vom 31.05.1907).

Am 18.6.1907 waren am Bau der Strecke über 100 Arbeiter  - meist Italiener und Polen - in Lohn und Brot. Sie fanden ihr Nachtquartier u.a. in Nörvenich und Eggersheim. In Hochkirchen stand eine Barracke für die Unterkunft von 30 Arbeiter (DZ 18.06.1907).

Bereits am 10. August 1907 war das Grundbett von Eschweiler ü.Feld bis Eggersheim fertiggestellt. Auch die jeweiligen Stationsgebäude im Rohbau waren vollendet. Mit der Herbeischaffung des Oberbau-Materials war begonnen worden. Mit der Legung der Gleise sollte in Kürze begonnen werden. Das Stationsgebäude in Nörvenich war kurz vor der Grundsteinlegung. In Lüxheim musste die Hauptstraße durch Überführung gekreuzt werden (Dürener Zeitung vom 10.08.1907).

Am 22.10.1907 standen die Arbeiten für zwei Tage still, weil die Arbeiter für mehr Lohn streikten. 4 Pfennige pro Stunde wurden letztendlich von der Eisenbahngesellschaft als Lohnzuwachs zugesprochen (Rhein. Volksstimme 22.10.1907).

Die Neffeltalstrecke  "Distelrath- Nörvenich-Zülpich" konnte am 6.Oktober 1908 eröff-net werden. Die Verlängerung bis Embken wurde 1910 für den dampfbetriebenen Güterverker und 1911 für den Personenverkehr eingeweiht. Bereits am 22. April 1907 hatte der Kreistag dem Kreisausschuss den Auftrag erteilt, für diese Teil-Strecke einen Kostenanschlag zu erarbeiten. Am 2. Juli 1907 lag dann vom "Minister für öffentliche Arbeit"  die Freigabe vor. Die Erweiterung der Strecke, die von Geich bis Embken am Neffelbach entlang lief, konnte in Angriff genommen werden.


Der Bahnhof in Distelrath wurde durch das Dürener Stadtnetz erreicht. In Zülpich lag auch der Bahnhof der Euskirchener Kreisbahn (1 Meter-Spur) und die Verbindung zur Staatsbahn ( heute Bördebahn) nach Euskirchen und Düren.


 Die Strecke zwischen Distelrath und Embken.

 

Seite „Bahnstrecke Distelrath–Embken“. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 29. November 2022, 14:21 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Bahnstrecke_Distelrath%E2%80%93Embken&oldid=228411352 (Abgerufen: 28. April 2023, 19:24 UTC)



Die Kreisbahn wurde modernisiert.

Neue Fahrzeuge brachten Aufschwung.


  "Bähnchen", "Schweineschnäuzchen,"

  "Benden-Has" und Diesellok.

(In den) Benden = Feuchte Wiesenfläche an einem Fluß-oder Bachlauf

     Der Einsatz von Dampflokomotiven wurde bis 1960 beibehalten. Lok 2b Humboldt, 1908.


1933 verfügte die Dürener Kreisbahn u.a. über  6 Dampflokomotiven, 3 Personenwagen für die Dampfstrecke Nörvenich-Embken, 3 offene Güterwagen, 1 geschlossener Güterwagen, 3 Packwagen, 1 Sprengwagen, 18 elektrische Triebwagen, 9 Beiwagen.


Wismar-Bus mit Ford-Vorbau-Motor

1938/41

Um die Dampfstrecke zu modernisieren und auch den Personenverkehr auf der Strecke Zülpich-Embken wieder aufzunehmen, wurde im August 1937 beim Werk Wismar ein Schienenbus in Auftrag gegeben - der Wismar-Schienenbus 1938/2111 EVA VT 1 mit Ford-Vorbaumotor. Das Fahrzeug kostete 30.000 Reichsmark.

Am 25. Oktober 1938 fand bei strahlendem Herbstwetter die Probefahrt ab Bahnhof Nörvenich statt. Passagiere waren seinerzeit der Kreisausschuss, Verwaltungsrat, die Gesellschafter der DKB und der Kämmerer der Stadt Düren sowie der Direktor der Dürener Dampfstraßenbahn AG - und auf einem Teil der Neffeltal-Strecke auch der Bürgermeister der Stadt Zülpich (Quelle: Dürener Kreisbahn, Chronik).

Wismar Schienenbus mit Schaffnerin und Fahrzeugführer am Bahnhof Geich-Füssenich.

Foto: Fam. Mahlberg/Baumann, Füssenich.


Der neue Schienenbus hatte 32 Sitzplätze und 14 Stehplätze. Seine Geschwindigkeit betrug 40 km/h. Für die Strecke Distelrath-Embken brauchte er 1 h 20 min.  Dieselbe Strecke wurde vorher mit einer Dampflok im 2 Stunden und 30 Minuten bewältigt.

An den Werktagen wurden sechs  und sonntags sieben Doppelfahrten durchgeführt. An den Sonntagen waren Fahrgastzahlen von 1000 Personen nicht selten. Eine Rückfahrkarte war bereits für  0,50 RM zu haben.

Die Freude über den neuen "Bus auf Schienen" sah man den Dorfbewohnern aus Geich-Füssenich, Juntersdorf und Embken besonders daran an, dass an den jeweiligen Bahnhöfen Scharen von  Kindern und Jugendlichen standen, die den herankommenden Schienenebus, der in dieser Gegend liebevoll "Benden-Has" genannt wurde,  lauthals begrüßten. Lange hatte man hier auf die Bahn nach 1925 warten müssen, als die Strecke vorerst eingestellt worden war.

Nun war der Anschluss an das Wirtschaftszentrum Düren wieder hergestellt.

Quelle: Chronik der Dürener Kreisbahn 1908-1958.

Zusätzlich zur Straßenbahn fuhr der Schienenbus die Strecke Nörvenich - Zülpich regelmäßig dann, wenn die Fahrt über Zülpich hinaus nach Embken ging.

Der Triebwagen 1 fuhr nur von Nörvenich bis nach Embken, da die Straßenbahn bis Nörvenich lief und als Zubringer für die damaligen Neffeltalstrecke diente.

Anfang der 1950er Jahre gingen dann die Fahrgastzahlen wegen des Einsatzes von Omnibussen auf der Strecke "Zülpich-Embken" immer stärker zurück, so dass man auf den Wismarbus verzichtete und bis zur Stilllegung der Strecke im Jahre 1957 an die Dampflokomotiven, die das Frachtgut transportierten, zusätzlich einen Personenwagen anhängte.

Foto: Anschluss in Nörvenich an den Tw 1 Wismar nach Embken ( Neffeltalstrecke 1953) Foto: Eisenbahnstiftung, Solingen, Herr Bügel.


1941: Ein weiterer Schienenbus war nötig.

Nach der Eröffnung der Schienenbuslinie am 2.11.1938 war der Andrang auf diesem Streckenabschnitt so stark, dass bald ein weiterer Bus der gleichen Bauart, der VT 2, angeschafft werden musste. Der VT 1  wurde 1956 verkauft.  Der 1941 gebaute VT 2 blieb bis zu seiner Ausmusterung im Jahre 1970 bei der Dürener Kreisbahn.


Diesellok auf der Neffeltalstrecke Nörvenich-Zülpich


Diese von der Maschinenbau Kiel Aktiengesellschaft (M a K) gebaute Diesellokomotive mit einer Leistung von 600 PS war eine Mehrzweck-Lokomotive, die sowohl im Rangierdienst bis 36 km/h und im Streckendienst bis 60 km/h eingesetzt werden konnte. Der Antrieb der Lokomotive erfolgte durch einen langsam laufenden 6 Zylinder-Viertakt-Dieselmotor. Die Konstruktion der Maschine war so gehalten, dass sie von einem Mann gefahren werden konnte, der durch das überhöhte und etwa in der Mitte der Lokomotive angeordnete Führerhaus eine gute Streckenübersicht nach allen Seiten hatte,

Quelle: GESCHICHTE DER DÜRENER KREISBAHN
1908 -1958, Seite 45).



Kapitel 3

Die Bahnhöfe an der Neffeltalstrecke ab 1908.

Ab dem 03. September 1908 war der Bahnhof Distelrath in Betrieb. Von hier aus verlief am 1.5.1909 der Personenverkehr über Nörvenich bis Zülpich und ab 1910/11 dann auch bis Embken.

Bahnhof in Distelrath Tw 3 im neuen Personenbahnhof Distel-rath (14.05.1960) .




Fotos: Mit freundlicher Genehmigung der Eisenbahnstiftung, Herr Bügel).

 

Blick in das Betriebswerk Distel-rath der Dürener Kreisbahn (14.05.1960). Zu diesem Zeitpunkt war die Strecke Zül-pich-Embken bereits abgebaut. Die Strecke Düren - Nörvenich wurde nach dem Krieg 1946 wieder eröffnet  (Anschluss an Triebwagen nach Embken bereits ab 1939).


Von 1915 bis 1918 wurde in Distelrath ein Luftschiffhafen mit zwei Ankerplätzen und Nebengebäuden unterhalten, der mit der Kleinbahn verbunden war.

 

Der Bahnhof in Distelrath mit einer Straßenbahn und mit einer Dampfl-okomotive.

Die Farben der Straßenbahn waren bis 1921 an der Vorderseite mittel-gelb. Ebenso an den unteren Sei-tenleisten. Die Seiten der Bahn waren dunkelgrün lackiert.


Bahnübergang Brückenstraße der Strecken von Düren nach Distelrath (Vordergrund) und Euskir-chen/Bördebahn  (Hintergrund) mit Schrankenposten 1.


Radiojunkie - Eigenes Werk
CC BY-SA 3.0


Ehemaliges Ausziehgleis des Bahnhofs Distelrath 2013.


Heute fahren Busse der Linie 208 und 276 nach Distelrath. Dazu der SB8.


Radiojunkie - Eigenes Werk
CC BY-SA 3.0


Bahnhof in Merzenich


Von 1908 bis 1963 war der Bahnhof in Merzenich in Be-trieb. Hier begann man am 31.5.1907 mit dem Bau der elektrischen Kreisbahn.








Bahnhofsgebäude in Merzenich 1960.


Heute fahren Busse der Linie 207, 208, 209, 217, 227,229,236,276, SB35 nach Merzenich. Dazu der Nachtbus N2.

Der Schienenpersonennahverkehr wird über die Linie S19 abgewickelt.



Fotos: Eisenbahnstiftung Solingen, Herr Bügel.



Bahnhof Girbelsrath

Von 1908 bis 1963 war ein Bahnhof in Girbelsrath in Betrieb.

Heute fahren Busse der Linie 208 und 217 nach Girbelsrath.


Foto: Radiojunkie - Eigenes Werk
Trasse der ehemaligen DKB-Strecke Distelrath - Nörvenich zwischen Eschweiler und Girbelsrath 2014
CC BY-SA 3.0




Bahnhöfe in Eschweiler ü. Feld und bei Gut Ollesheim

 


Schaffnerin der Dürener Kreisbahn , A. Bauth aus Eschweiler ü.Feld. Das Foto stammt aus der Zeit vor 1939.


Foto: Sammlung HGV Nörvenich, Herr A. Bergrath.






Eschweiler ü.Feld hatte einen kleinen Bahnhof mit Ausweich-gleis und Verladegleis sowie zwei weitere zusätzliche Haltepunkte an der Golzheimer Straße und am Ortsausgang Richtung Nörvenich.


 


Letzte Fahrt der Neffeltalbahn am 30. April 1963. Hier an dem Hal-tepunkt " Golzheimer Straße" in Eschweiler ü. Feld.

Heute fahren Busse der Linie 208, SB8 und SB15 nach Eschweiler über Feld.





 

Rübentransport in Eschweiler ü. Feld. Die Karren wurden an den Eisenbahnwaggon gefahren. Dann wurden die Zuckerrüben mit der Rübengabel auf die Ladefläche ge-hoben. Eine kräftezehrende Arbeit, die vielen heute noch in Erinne-rung geblieben ist.

Fotos: Sammlung HGV Nörvenich, A. Bergrath.

Bis 1968 hatte der Nachbarort Gut Ollesheim einen Anschluss an die Neffeltalstrecke.


Bahnhof in Nörvenich -

 Start der Neffeltalstrecke

 

                             Bahnhof Nörvenich in den Anfangsjahren (1915) - Foto: Archiv H.Bergrath HGV

Am 6. Oktober 1908 wurde der Bahnhof in Betrieb genommen. Bis 1909 wurden zwischen Distelrath und Zülpich vornehm-ich  Zucker-rüben auf der Strecke trans-portiert. Danach wurde die Strecke auch für den Personen-verkehr eröffnet. Die Fahrgäste, die nach Zülpich und Embken wollten, mussten in Nörvenich umsteigen, da die  Strecke nicht elektrifiziert war.


Wismar Schienenbus um das Jahr 1953 am Bahnhof in Nörvenich. Rechts: Gleis der Güterstrecke.


Heute fahren Busse der Linie 208,212,228, SB8 und SB15 nach Nörvenich. Dazu der Rufbus 208 und der Nachtbus N2.


Hochkirchen

Bis in das Jahr 1960 verfügte Hochkirchen über einen Haltepunkt an der Neffeltalstrecke. Der bis zuletzt elektrifizierte Streckenabschnitt wurde 1960 durch einen Omnibusverkehr ersetzt.

Heute fahren Busse der Linie 208,228,SB8 und SB15 nach Hochkirchen.


Fotos:  Eisenbahnstiftung Solingen, Herr Bügel.


Rübentransport mit der Dampflokomotive. Rechts im Foto steht zur Abfahrt bereit der Wismar - Schienenbus VT1 für die Neffel-talstrecke.

 


Foto: Sammlung HGV Nörvenich, A. Bergrath


Eggersheim

Ab 1908 gab es in Eggersheim eine Bahnstation, 1960 wurde der Bahnverkehr eingestellt.

Heute fahren Busse der Linie 208, SB8 und SB15 nach Eggersheim.

Foto: Sammlung HGV Nörvenich. A. Bergrath.


Lüxheim

Ab 1908 hatte der Ort einen Haltepunkt, der bei der Streckenschließung um 1960 durch Busse der Dürener Kreisbahn übernommen wurde.

Eine der 19 Brücken der Neffeltalstrecke.



 


Tw 4 überquert in Lüxheim die Bundesstraße 477 (24.04.1960) .

Heute fahren Busse der Linie 208, SB8 und SB15 nach Lüxheim.


Foto: Sml. Eisenbahnstiftung, Herr Bügel.



Gladbach und Müddersheim

Triebwagen 4 der DKB in Gladbach am 24.04.1960 .




Foto: Gerd Wolff, Eisenbahnstiftung.

 


Gladbach und Müddersheim hatten einen kleinen Bahnhof. Der Bahnhof in Gladbach wurde im Krieg schwer getroffen. Hier sind heute Bushaltestellen. In Gladbach, gegenüber der heutigen B 477, gab es eine große Ver-ladestelle für Zuckerrüben. Heute fahren Busse der Linie 208 und 232 nach Müddersheim und 208, 230, SB8 und SB15 nach Gladbach.

Foto: Ehemaliger Streckenverlauf 1908 bis 1960 bei Müddersheim.


Einen besseren Beweis für die Existenz des ehemaligen Bahnhofs gibt es wohl nicht:

Die "Bahnhofstraße" in Müddersheim.


Beide Farbfotos: History-Club Zülpich


1955 konnte man mit der Elektrischen nach Müddersheim fahren.Anschluss gab es hier mit dem Bus nach Zülpich.



Foto: Gerd Wolff, Eisenbahnstiftung.


Disternich

In Disternich unterhielt die DKB einen kleinen Bahnhof.

Heute fahren Busse der Linie 208 und 232  nach Disternich.




Sievernich

Ab 1908 fuhr an Sievernich die Dampflok und  in den späten 1950er Jahren die Straßenbahn auf der Strecke Nörvenich-Zülpich vorbei.

1960 wurde der Verkehr auf der Schiene eingestellt. Heute fahren Busse der Linie 208, 232 SB8 durch Sievernich. Foto: Gerd Wolff, Eisenbahnstiftung (Herr Bügel).

 

Im Westen von Sievernich, hinter der Baumreihe, die erst nach der Streckenstillegung hier entstanden ist, lag der kleine "Bahnhof Sievernich". Heute führt hier die B 477 entlang.


Bessenich


Lediglich im Zeitraum vom 14. Ok-tober 1958 bis zum 31. Januar 1960 konnte Bessenich von elek-trischen Triebfahrzeugen erreicht werden.

 


Foto: Dürener Kreisbahn/Gerd Wolff, Eisenbahnstiftung, Herr Bügel.

Hier war 1960 der Endpunkt der Oberleitungen auf der Neffel-talstrecke. Die bereits geplante Weiterführung bis nach Zülpich wurde nicht mehr realisiert. Auf dem Foto sieht man einen Trieb-wagen  der Dürener Kreisbahn.



Stelle des ehemaligen Bahnhofs in Nähe des Neffelbachs und der Bessenicher Mühle. Links verlief die Strecke zu den Schienen der Staatsbahn ( Euskirchen-Zülpich-Düren).  Der Baumbestand links entstand nach dem Abbau der Gleise in den 1960ern. Auf der heutigen Wiese befanden sich früher angelegte Gärten für die Dorfbevölkerung.

 

 

Blick auf die Stelle der ehemaligen Gleisanlage  in Bessenich in Richtung Gleise der Bördebahn, die sich heute ca.100 Meter  hinter der Schranke befinden.


              


Bis 1962 gehörte Bessenich zur Neffelalstrecke der Dürener Kreisbahn. Ab 1958 wurde die Strecken-abschnitt elektrifiziert. 1960 wurde der Verkehr auf Omnibusse umgestellt.



Hier unter der Brücke am Bessenicher Sportplatz verliefen die Gleise der Staatsbahn und die Gleise der Dürener Kreisbahn parallel bis zur Römerallee. Das Gleis der DKB wurde in den 1960ern abgebaut.

Fotos: History-Club Zülpich.




1910 bis 1957

Der Streckenabschnitts Zülpich - Füssenich/Geich-Juntersdorf - Embken.


Schon am 22. April 1907 hatte der Kreisausschuss den Auftrag erteilt, für eine Kleinbahnlinie Zülpich-Embken-Füssenich und Juntersdorf bis nach Embken , die an die Linie Düren-Nörvenich-Zülpich ansgeschlossen werden sollte, einen Plan auszuarbeiten. Durch Erlass vom 2.7.1907 gab der "Minister für öffentlichen Arbeiten" die Linie als Kleinbahn frei, so dass am 27.4.1908 der Kreistag zu dem Projekt endgültig Stellung nehmen konnte

Anlass zu dem Bau der Strecke "Zülpich  Geich-Füssenich - Juntersdorf - Embken gab das Braunkohlenbergwerk Astrea der "Braunkohlengewerkschaft Hamburg" bei Juntersdorf. Das Werk schloss nach einem am 22. Mai 1908 in Düsseldorf gegebenen Bericht mit  beträchtlichem Betriebsverlust ab, der insbesondere auf das Fehlen eines Bahnanschlusses, wodurch der Absatz stockte, zurückgeführt wurde.

Die Gewerkschaft Hamburg verpflichtete sich dem Kreis Düren gegenüber, nach Fertigstellung der Linie Zülpich - Embken ihre auf 100000 Tonnen veranschlagte Gesamtproduktion (Briketts und Braunkohle) auf die Waggons der Dürener Kreisbahn zu verfrachten bzw. die Waggons zur Staatsbahn zu befördern. Die Baukosten für die 9,86 km lange Strecke wurden auf 835500 Mark, der Aufwand an Grunderwerb auf 120000 Mark veranschlagt. 1910 wurde die Linie für den Güterverkehr eröffnet.


Alle Schienen führen nach Zülpich...

Drei Bahnlinien kamen in Zülpich zusammen. Im Jahre 1864 war die Stadt bereits an die Bahnstrecke der "Rheinischen Eisenbahngesellschaft" (Düren-Zülpich-Euskirchen) angebunden. Später hatte hier auch die Euskirchener Kreisbahn ihren Bahnhof (Foto).

                   Bahnhof der Euskirchener Kreisbahn in Nähe des Münstertors um 1898.


Von 1908 bis 1962 war der Staats-Bahnhof Zülpich Anschlussbahnhof zur Dürener Kreisbahn (DKB) und Euskirchener Kreisbahn (EKB). Die Strecke Zülpich-Embken bestand von 1910 bis 1957.

Der Personenverkehr auf der Strecke verlief bis zum 1. Weltkrieg wirtschaftlich gut. Täglich befuhren 6 Personen-Dampfzüge die Linie.


Quelle: 50 Jahre Dürener Kreisbahn, Jubiläumsausgabe 1958 und "75 Jahre Dürener Kreisbahn" 1983..

Staatsbahnhof in Zülpich. Hier hatte der Zug der DKB aus Distelrath bzw. Nörvenich Anschluss nach Embken ( Kreisarchiv Euskirchen).


Bahnhof in Zülpich (Heutige Römerallee /REWE-Markt).

Bahnhof der Dürener Kreisbahn 1908 an der Strecke Distelrath-Nörvenich-Zülpich. Hier gab es Anschluss an die Staatsbahn  (Düren-Euskirchen). Die Strecke führte zunächst durch Zülpich hindurch bis zum Bahnhof--Stadt ( EKB/DKB).

Foto: Sml.Fam. Jahns,Zülpich. Nutzer des Gebäudes und Inhaber des Fotos.





Bahnhof Zülpich-Stadt ( EKB und DKB).

               Der Bahnhof Zülpich-Stadt auf der Neffeltalstrecke im Jahre 1910.

                    Heutiger Adenauerplatz, rechts die heutige Bonner Straße.


Wismarbus VT 1 im Bahnhof Zülpich-Stadt (heute ist hier der Adenauerplatz) um 1939.




 Am heutigen Adenauerplatz lag der  gemeinsame Bahnhof der Euskirchener- und Dürener Kreisbahn. Das Foto zeigt die Stelle einer ehemaligen Lade-rampe. Von hier aus liefen die Gleise in die Chlodwigstraße aus Zülpich hinaus bis Hoven.




Damaliges Abfertigungsge-bäude des Kreisbahnhofs Zülpich-Stadt um 1940.





Foto: Sammlung F.J.Schulte, Zülpich.


 

Bahnhof Zülpich-Stadt nach dem Krieg. Vorne das beschä-digte Gleis in Fahrtrichtung Füssenich-Embken (DKB).

Foto: Sammlung F.J.Schulte



In Zülpich fahren Busse der Linie 208,233,290,298,774,811,889,892,979 und 984.


Verlassen des Stadtbahnhofs.

In Zülpich-Hoven trennten sich die vorher parallel laufenden Gleise der EKB und DKB. Die Strecke Zülpich-Embken verlief am heutigen Kreisverkehr rechts durch einen Tunnel Richtung Geich und Füssenich.


Die Schienen lagen nach Ver-lassen des Tunnels in Hoven (heute Kreisverkehr) Richtung Füssenich quer durch Wald und Wiese. Der Ort Geich wurde eigentlich von den Schienen nicht tangiert. Die Gleise gingen gerade auf Geich zu, machten dann aber einen Knick nach Westen Richtung Mühlen und Bahnhof in Füssenich/Höhe Schule).


In der Karte ist der Streckenverlauf nach Verlassen Hovens gut zu erkennen. Gelb eingezeichnet ist die "Grube Victor Rolff"  (Tagebau Füssenich-Geich). Ein Teil dieser Fläche bildet heute den Neffelsee (unten).

Foto: Wolkenkratzer CC-BY-SA 4.0



Bahnhof "Geich-Füssenich".


Gruppenfoto am Bahnhof Geich-Füssenich in den späten 1940er Jahren.

Wismarbus VT 1 mit Personal in Füssenich. Foto: Sammlung Fam. Mahlberg/Baumann



Tunnel in Richtung Füssenich-Geich bei Hoven.

Die Ortschaft Geich hat die Bahnlinie nicht berührt.

Hier ging die Strecke durch die Felder und Wälder, wo heute der Neffelsee liegt, an den beiden Mühlen "Ohligsmühle" und "Biesenmühle" vorbei.



Foto: Sammlung J. Cramer, Lüxheim



 

Brücke in Füssenich am Muldenauer Bach/Neffelbach.

Hier konnte man den Bahnhof, der sich in der Nähe etwas links befand, erreichen.Allerdings wurde die hier gezeigte Brücke erst Ende der 1950er Jahre nach Begradigung des Neffel-bachs hier an dieser Stelle gebaut. Vorher lag die Brücke viel weiter süd-lich.



 Der Bahnhof und zwei Mühlen "versanken"  im See...

Etwa in Höhe der Volksschule circa 100 Meter südlich stand von 1910 bis 1957 der kleine Bahnhof "Geich-Füssenich"Er musste - wie auch die beiden Mühlen - dem Tagebau Füssenich-Geich weichen und wurden abgerissen.


Postkutsche in Füssenich - Kirchstraße.

Foto: Sammlung Claus Cramer, Füssenich.

 

2.6.1911: Die letzte Fahrt der Postkutsche durch Füssenich-Geich.

Vor der Streckeneröffnung Zülpich-Embken im Jahre 1911 waren Pferdekutschen das einzige Verkehrsmittel, um die umliegenden Ortschaften anfahren zu können. Oder man ging zu Fuß. Hier bei der Familie Körver in Füssenich neben der katholischen Volksschule war die Post und die Station u.a. für die Strecke nach Embken oder Zülpich. Im Gebäude nebenan war zuerst die Schule, dann das Lebensmittelgeschäft Hohn, wo die Kohlen, die am Bahnhof angeliefert wurden, verkauft wurden. Bis heute wird das Gebäude  privat genutzt.


Info

Von 1864 bis 1903 fuhr man noch mit der Kutsche nach Zülpich. Im Jahre 1864 trat eine tägliche Personen-Postlinie in Zülpich ins Leben. Die neue Postkutsche verband Zülpich, Füssenich, Embken, Wollersheim und Heimbach. Der Personenbetrieb wurde 1903 wieder eingestellt. Der Postbetrieb bis Untervlatten hielt bis 1911.

1850 bestand eine solche Strecke auch zwischen Düren-Stockheim-Soller-Froitzheim-Füssenich/Geich und Zülpich.

Mit dem Ende des 19. und mit Beginn des 20. Jahrhunderts begann dann das Zeitalter der Eisenbahn auch in unserer Region (1864, 1895 und 1908).



Der Bahnhof in Füssenich hieß eigentlich "Geich-Füssenich".

Auf dem Foto aus den Anfangsjahren des "Turnerbundes Füssenich-Geich 1895" kann man gerade noch erkennen, dass der Bahnhof 1920 als "Geich-Füssenich" bei der DKB geführt wurde.

Bahnhof Geich-Füssenich


Personenverkehr ab 1911 - und Abenteuerliches auf der Strecke.

Am Bahnhof wurden neben dem Personenverkehr auch Rüben oder Kohlen verladen. Kohlehändler Hohn hatte hier zum Beispiel seine Ware für sein Lebensmittelgeschäft neben der Schule in Füssenich anliefern lassen.


Güterverkehr auf der Strecke Zülpich-Embken.

Beispielfoto Rübenwaggon ( Quelle: Eisenbahnstiftung).

 

Rübenernte in Füssenich-Geich -

In Euskirchen wartete die "Zucker-Susi.



Die Landwirte aus dem Doppelort Füssenich und aus Geich  verluden hier überwiegend ihre Zuckerrüben für die Zuckerfabrik in Euskirchen. Auch in Bessenich und Embken gab es die Möglichkeit, die Rüben auf die Waggons nach Euskirchen zu verladen. Die Landwirte aus Füssenich und Geich fuhren ihre Rüben mit ihren Fahrzeugen und Anhängern (teils mit Anhängerkupplung umgerüstete ehemalige Pferdekarren)  direkt zu den Waggons der Dürener Kreisbahn, die dort morgens bereitgestellt wurden.

In der Regel waren 15--Tonnen-Waggons, die nicht so hoch gebaut waren, im Einsatz, die mit den Namen der einzelnen Landwirte beschriftet waren. Die Rüben wurden dann per Rübengabel  (mit 6 Zinken)  auf die Waggons geladen, mit dem Ziel: Zuckerfabrik in Euskirchen. Dort wartete die " Zucker-Susi" auf ihren Einsatz zur weiteren Verarbeitung.

In Erinnerung geblieben bei vielen älteren Bürgern aus Füssenich und Geich ist die kräftezehrende Arbeit beim manuellen Verladen der vielen Rüben auf die einzelnen Eisenbahn-waggons.


Die Zucker-Susi aus der Fabrik in Euskirchen.


Ehemalige Dampfspeicherlokomotive "Zuckersusi" der Zuckerfabrik Euskirchen - Foto: Sammlung History-Club Zülpich).


Abenteuer Eisenbahn

Dass die Anwesenheit der Gleise in Füssenich-Geich die Kinder und Jugendliche jener Zeit zu abenteuerlichen Handlungen animierten, kann man sicher verstehen, wenn man selbst als Kind besondere Herausforderungen suchte. So ist es nicht verwunderlich, dass Erzählungen über einige lustige Begebenheiten in der Dorfbevölkerung kursieren. So sollen Jugendliche nach dem Krieg in Hoven mit Loren, die man auf die Gleise stellte, bis zum Eilich gefahren sein. Da dies an einem Sonntag geschah, war die Strecke nicht befahren worden. Nichts passiert ! Alles gut !


Links: Der Bahnhof "Geich-Füssenich" 1910 mit seinem Kreisbahnpersonal und einer  Lok 2 b Humboldt, Baujahr 1908, Fabrik - Nummer 459.

Sie wurde bis 1960 bei der DKB eingesetzt.

Für den Personenverkehr wur-de ab 1939 ein Schienenbus  (Wismar-Bus) verwendet.


Fotos: Stadtarchiv Zülpich/ Karl Kloock, Geich.



An den alten Mühlen vorbei nach Juntersdorf.


Die weitere Strecke in Rich-tung Westen bis nach Jun-tersdorf.


Die Strecke Zülpich-Embken ging an den beiden Mühlen, die den Bahnhof sozusagen einrahmten, weiter aus Füssenich hinaus durch das Eilich am Fuße des Eulenbergs/Mühle in Richtung Westen nach Juntersdorf.

Die Linie folgte insoweit weiter der natürlichen Führung des Neffel-bachs.



Fotos: Archiv History-Club Zülpich.

 

Hier im Eilich unterhielt man einen kleinen Haltepunkt für die Fahrgäste aus Füssenich und aus dem Eilich. Später wurden die Fahrzeiten jedoch derart eingeschränkt, dass sich eine Nutzung der Bahn für die Be-wohner aus dem Doppelort nicht mehr lohnte. Besonders die Schülerinnen und Schüler, die die Lehranstalten in Zülpich und Euskirchen nach dem Krieg besuchten, klagten z.B über die fehlenden Fahr-möglichkeiten in den Mittags-stunden.


Foto: Hier verlief die Trasse vom Eilich/Eulenberg am Neffelbach vorbei Richtung Juntersdorf. Heute Feldweg



 

Neben dem  Bahnhof mussten auch die beiden Wassermühlen rechts und links vom Bahnhofs-gelände dem Braunkohletage-bau Füssenich-Geich ab 1957 weichen. Auf dem Foto links sieht man die Biesenmühle.



Heute hat der Neffelsee dieses Gebiet eingenommen, nachdem ein Teil der ehema-ligen  Grube nach 1960 u.a. mit dem Wasser des Neffelbaches aufgefüllt wurde.

Nach dem Krieg.

Die DKB fährt wieder. Fahrplan vom 1.9.1946 mit den Schienenbussen  VT 1 und VT 2 (unten).

Wismarbus VT 1 und VT2  - auch "Schweineschnäuzchen" oder "Benden-Has" genannt. Foto: 75Jahre DKB, 1983).


Heute fahren Omnibusse der Linie 298 und 219 durch Füssenich und Geich.


Juntersdorf

Der Bahnhof in Juntersdorf lag im äußersten Westen von Jun-tersdorf direkt am Neffelbach und in der Nähe der alten Wasser-mühle. Nach der Stilllegung der Strecke wurde das Gebäude noch einige Jahre als Wohnhaus genutzt. Es brannte Ende der 1960- er Jahre vollständig aus. Im Hintergrund sieht man die Turm-spitze der Juntersdorfer Pfarrkirche St. Gertrudis.

 Das ehemalige Empfangsgebäude der DKB. Aus " Das Dürener Land" 1971. Seite 120.


Blick von Westen in Richtung Füssenich. Links der Neffelbach. Der Bahnhof befand sich im Be-reich des weißen Quadrats auf der rechten Seite der Trasse.

Nichts ist nach dem Abriss übrig-geblieben. Ganz in der Nähe befindet sich heute die Busstation der Linien 218 und 298.


Garagenfund in Juntersdorf: Foto mit freundlicher Genehmigung eines Dorfbewohners. Das große Schild stammt vermutlich vom Bahnhofsgebäude.



Embken

Große Zerstörungen am Gebäude im Laufe des 2. Weltkrieges.

Ein stattliches Gebäude mit einladenden Grünanlagen: Der Bahnhof in Embken vor der Zerstörung im 2.WK.

Foto Sammlung Familie Düster, Embken.

Der Bahnhof in Embken war der letzte Bahnhof auf der 33,8 km langen  Neffeltalstrecke Der Bahnhof wurde 1910 im Rahmen der Streckenverlängerung von Zülpich über Füssenich und zur Grube Astrea in Juntersdorf errichtet. Nach einem Bombenangriff im 2. WK blieben nur die unteren Mauern des zweigeschossigen Gebäudes stehen.

Das kleine Nebengebäude, früher mit Toiletten (links) blieb unversehrt und steht heute noch im renoviertem Zustand am Platz.

Heute hat man noch Teile des Gebäudes zur Ansicht und für Veranstaltungen auf dem ehe-maligen Gelände beibehalten.

 

Nach dem Krieg wurde der Bahnhof dann wieder zur Hälfte aufgebaut.


Die Errichtung des Bahnhofs am Ende des Ortes kann ein Hinweis darauf sein, dass hier vielleicht eine Verlän-gerung der Neffeltalstrecke seinerzeit angedacht war.



 

Das Bahnhofsgebäude als  "Neubau"  nach dem 2. Weltkrieg.

Die obere Etage wurde nicht mehr aufgebaut.

 

 


40 Jahre Dienst im Bahnhof Embken.

Bahnhofsvorsteher Müller  aus Embken. Er stand 40 Jahre - von 1916 bis 1956 dem Bahnhof in Embken vor und wohnte auch mit seiner Familie  in dem Gebäude, die 1960 das Anwesen verließ. Noch einige Jahre war das Gebäude vermietet, bis die Stadt Nideggen es für den heute noch dienenden Zweck kaufte.


Aktuell fahren nach Embken Busse der Linien 218, 231, 233, 291 und 298.



ANHANG


Einige Fahrzeuge auf der Neffeltalstrecke ab 1908.

 

 

 

2b Humboldt, 1908, und 1960 (rechts)

3b Humboldt, 1908 1937,1950

4b Humboldt, 1950

5g Vulcan, 1919, 1963

1 b Humboldt, 1908


6g Vulcan 1919,1960 (rechts)

7g Vulcan 1919,1960

8 Henschel, 1909,1948,1954

111 Hohenzollern, 1921, verk.  V. Rolff, Braunkohletagebau.


Diesellok 1, 600 PS, 1950er Jahre.


 

Triebwagen

 VT1 und VT 2 Wismar 1938/1941






Um die 30 Straßenbahnfahrzeuge 1908 - 1963





Fotos: Mit freundlicher Genehmigung der Eisenbahnstiftung, Herr Bügel.



Kleine Zeittafel

Strecke Distelrath-Nörvenich-Zülpich-Embken.

1906

Bei Merzenich erfolgt der 1. Spatenstich für die Kreisbahnlinie Distelrath-Nörvenich-Zülpich.

1908

Erste Fahrt der Straßenbahn der Dürener Kreisbahn. Eröffnung des Bahnhofs in Distelrath.  Die Dampf-Strecke Düren-Nörvenich-Zülpich wird für den Güterverkehr eröffnet. Die Strecke Distelrath-Merzenich wird eröffnet. Für den Güterverkehr wird eine Dampf-ok eingesetzt. Für den Personenverkehr wird zusätzlich eine elektrische Kraft eingesetzt.

1909

Erster Personenzug von Distelrath nach Zülpich mit einer Dampflok.

1910/1911

Eröffnung der Strecke Zülpich-Embken für den Güter - und Personenverkehr mit einer Dampflokomotive.

1920

Die Dürener Kreisbahn wird eine GmbH und übernimmt die Strecke Distelrath-Zülpich.

1921

Vorläufige Einstellung der Dampflokomotiven-Strecke Zülpich-Embken für den Güterverkehr.

1923

Die französische und belgische Besatzungsmächte beschlagnahmen die Eisenbahnlinien in den besetzten Gebieten.

1924

Die Dürener Kreisbahn nimmt zuerst die Strecke Düren-Zülpich wieder auf.

1925

Die Dampflokomotiven-Strecke Zülpich-Embken wird für den Personenverkehr vorerst eingestellt.

1928

Die Strecke wird bis Nörvenich elektrifiziert. Hier muss man nun nach Zülpich umsteigen.

1938

Für die Strecke Nörvenich-Embken wird ein Schienenbus (Wismar-Bus) eingesetzt. 1941 ein weiterer. Dazu lebt der Güterverkehr /Rübentransport zur Zuckerfabrik Euskirchen wieder auf.

1950er

Die Strecke wird bis kurz vor Zülpich elektrifiziert. Straßenbahn und Wismarbus fahren gleichzeitig.

1957

Die Strecke Zülpich-Embken muss dem Tagebau Füssenich-Geich weichen. Die Strecke Zülpich bis Füssenich wird abgebaut. Der Neffelbach in Füssenich wird näher an den Ort vorbei umgeleitet und die beiden Mühlen werden abgerissen.


1962

Die Strecke,  Distelrath-Zülpich, die seit 1909 bestand,  wird endgültig eingestellt.




Einige Bahnhöfe der Neffeltalstrecke in heutiger Zeit

Bedauerlicherweise wurden nahezu alle kleinen, romantischen Bahnhofsgebäude der Neffeltalstrecke in den 1960er Jahren abgerissen.


 


Zülpich



Nörvenich






Embken



              Merzenich  





Info:

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Ein besonderer Dank geht an die Eisenbahnstiftung in Solingen, Herrn Bügel, für die freundliche Überlassung von Text- und Bildmaterial aus dem dortigen Bildarchiv (bilderdienst@stiftung-js.de), sowie an HGV Nörvenich (Herr A. Bergrath),  Dürener Kreisbahn in Düren und an die vielen anderen Vereine, Archive und Privatpersonen, die an der Gestaltung dieser Seite Anteil haben.



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